Zeit für Märchen

(Märchenhaft-Aschenputtel)

Der wirklich nette Herr Schibulke, Peter,
war Fußbodenpflegemittel-Hauptvertreter
und vom Schicksal schwer geschlagen.
Was er auch tat, er mußte fragen,
ob seine Frau es ihm gestatte.
Das war ein schweres Los als Gatte.

Die erste Frau war ihm dahingeschieden,
doch seine kleine Tochter hat vermieden,
daß die Verzweiflung ihn dann übermannte.
Weil er auch eine dralle Witwe kannte,
die ebenfalls alleine lebte mit zwei Mädchen,
und die bekannt war hier im kleinen Städtchen

als sehr energisch und mit Haaren auf den Zähnen.
Da tat er sicher und geborgen sich nun wähnen.
Das ist so eine unbestimmte Sache mit dem Wahn.
Man denkt: so isses! Doch ganz anders kommt es dann.
Die Töchter der Madam waren zwei spindeldürre Ziegen.
Man konnte nur gewaltsam sie mal dazu kriegen,

sich ein paar Schritte vom Spiegel zu entfernen,
um endlich auch mal was Gescheites zu erlernen.
Es stapelten sich schon in Schränken und Regalen
die Modefummel. Und Schibulke mußte sie bezahlen.
Jedoch sein Liebling, seine kleine Tochter Karoline
sah von Stiefmutter und -Geschwistern ewig eine Mine,

als würden sie von Sauerkraut und Essiggurken leben.
Dann tat es auch so gut wie niemals nette Worte geben.
Karoline mußte in der Küche stets und ständig bleiben
und sich mit Hausarbeiten dann die Zeit vertreiben.
Im Garten hatte sie auch eine Menge noch zu tun
und wenig Zeit, sich wirklich einmal auszuruh‘n.

Ein Tanzvergnügen sollte es am Wochenende geben.
Da kam mal Abwechslung in so ein Kleinstadtleben!
Die beiden bösen Schwestern und die Mutter- Stief,
spotteten nun reichlich und lachten sich noch schief,
daß Karoline schön zuhause konnte sitzen bleiben.
Da konntr sie sich mit der Katze ja die Zeit vertreiben!

Im Nachbarhaus nun wohnte eine nette ält‘re Dame
mit ihrem kleinen Hund. Frau Plischke war ihr Name.
Sie mochte Karolinchen und das Mädchen tat ihr leid.
In ihrem Schrank fand sie aus alten Tagen noch ein Kleid,
ein Dirndl. Sehr dezent und elegant. Sieh an, es paßte.
Frau Plische war gerührt: “Na Kind, hier haste!“

Froh und in Eile fuhr nun Karoline mit der Straßenbahn,
und kam dann mit Verspätung auch beim Ballsaal an.
Doch welcher Schreck durchfuhr die Karoline nu:
ach, an den Füßen trug sie noch die Gummischuh‘,
die sie im Garten ja getragen hatte noch vorhin.
Und ihre Füße steckten immer noch darin!

Ein junger Mann ließ sich davon jedoch nicht schrecken.
Die Gummischuhe tat er hinterm Vorhang gut verstecken
und tanzte eine ganze Nacht hindurch, beinah‘ bis früh
mit Karoline. Zärtlich, nach einer schönen Melodie.
Doch konnte sie entwischen, schnappt die Schuhe.
Sie nahm die erste Straßenbahn. Gehetzt und ohne Ruhe

kam sie zurück. Die anderen sind später erst gekommen.
Das hatte jedenfalls ein gutes Ende noch genommen.
Bein nächsten Sonntagsfrühstück hörte sie die Mutter schreien
nach ihren Töchtern: „He, welche von euch zweien
hat Gummischuhe Größe sechsunddreissig?
Jetzt kommt für euch die Chance, ja das weiß ich.

Ein junger Bauer aus der Gegend, sehr begütert,
doch wie mir scheint, auch reichlich angetütert,
sucht zwecks Eheschließung eine ganz bestimmte Frau.
Nur, wo sie wohnt, das weiß er leider nicht genau.
Besondere Merkmale, so schreibt er: ja das weiß ich,
sie trägt grüne Gummischuhe Größe sechsunddreissig.

Der Vater war noch unterwegs. Was konnt‘ man tun?
Die Karoline schlich sich rüber zu Frau Plischke nun
und erzählte ihr das ganze Abenteuer.Die wußte Rat,
wie man bei dieser Angelegenheit nun zu verfahren hat.
Sie meldete sich unter Chiffre 25 33 sieben
und hat dem jungen Mann ausführlich dann geschrieben.

Tags darauf ist er schon mit dem Traktor angekommen.
Hat gleich die Karoline und die Katze mitgenommen.
Auch die bewußten Gartenschuhe blieben nicht zurück.
Sie waren Unterpfand für das gefundene Glück.
Das arme Aschenputtel hatte keine Prinz bekommen.
Doch „Bauer suchte Frau“ da hat sie ihn genommen.

Na, jedenfalls begann es doch ganz wunderbar.
Vielleicht gibt‘s Nachwuchs schon im nächsten Jahr?

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Zwei Wochen (drei Wochen?) war der iMac krank, nun lacht er wieder, Gottseidank

So lange war der iMac krank,
er weinte leise vor sich hin,
zusammen weinten wir dann beide,
weil ich so furchtbar traurig bin.
Das heißt, ich war es ziemlich sehr,
da kam ein kluger Mensch daher.

Der meinte lässig: „Eins, zweii, drei,
was ist denn da nun schon dabei.
Im Handumdreh‘n wird das gemacht,
das klappt. Das wäre ja gelacht,
wenn‘s nicht so wäre. Also Mut.
Und: ,Eins, zwei, drei,
schon ist es gut!‘

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DER SCHNEEMANN

Der Schneemann stand am Waldessaum,

schön rund und prall, nett anzuseh’n.
Die schwarzen Augen blickten freundlich,
sein Lächeln wirkte äußerst angenehm.
Er trug noch einen schwarzen Hut,
der stand ihm ganz besonders gut.

Tagtäglich ging ein Mann spazieren
und blieb beim Schneemann stehen;
er erzählte ihm etwas aus seinem Leben,
dann konnt’ er lächelnd weitergehen.
Der Schneemann hat geduldig zugehört.
Er fühlte sich dadurch ja nicht gestört.

Es war noch eine Weile frostig kalt;
man konnte ihm noch eine Menge sagen.
Der Schneemann taute nicht so bald,
und würde außerdem nichts fragen.
Dann tat die Wintersonne kräftig scheinen.
Der Schneemann mußte daher heftig weinen.

Die Augen rutschten aus den Höhlen raus,
figürlich hatte er bereits ja auch gelitten.
Dadurch sah er unsagbar traurig aus.
Ein Bild des Jammers stand er nun inmitten
von kahlen Sträuchern, nassen Steinen.
Der Anblick war einfach zum Weinen.

Der Mann ist wieder mal vorbeigekommen
und sah, was von dem Freund geblieben.
Er hat dann Abschied noch genommen
und auf ein leeres weißes Blatt geschrieben:
– Die Zeit des Lebens ist, wie er, zerronnen.
Trotzdem: Ich habe Einsichten gewonnen-.

Vielleicht, im nächsten Winter dann
steht hier ein neuer kalter Kamerad.
Vielleicht kommt mal ein Anderer vorbei,
der ihm auch etwas zu erzählen hat.

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Ortsveränderungen

Man ist auch früher gern verreist.
Dies natürlich schon beweist,
was die Reisenden dann schrieben
an die meist Daheimgebliebenen.

Fremde Länder und Gebräuche,
fremde Sprachen und Geräusche;
fremde Sitten, schleierhaft.
Was ja auch Verwirrung schafft.

Pflanzen, Tiere, Temperaturen;
oft geh‘n anders auch die Uhren.
Fremde Musik, fremde Geschichte
und fremde Nationalgerichte.

Und mancherorts ist‘s üblich dann:
die zieh‘n sich ganz was andres an.
Da ist man platt. Der trägt nen Zopf
sehr kleidsam doch am Hinterkopf.

Bei manchen die Gewänder wallen.
(Man könnt‘ glatt auf die Schnauze fallen.)
Und anderswo, du meine Güte:
trägt man die sonderbarsten Hüte.

Und dann gibt es auch noch Zonen,
wo die Ureinwohner wohnen.
Zum Beispiel so ein Eskimo
ist bestimmt besonders froh,

daß es schön kalt in der Region.
Drum tut er ja so gern dort woh‘n.
Zum Eisbär und zum Pinguin,
da zieht es ihn besonders hin.

Einer sagt halt: „Bongo Bongo“
keiner bringt mich weg vom Kongo.
Und andere, etwa die Chinesen,
sind stets in China schon gewesen.

Und die Berliner, wo gehör‘n se hin?
Dumme Frage. Natürlich nach Berlin!
(Mitunter wundert’s einen sehr:
die kommen oft von ganz woanders her!“)

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