Die Gäste

Die Besucher

Gewöhnlich sieht man auf dem Rasen
zwei bis drei Kaninchen grasen.
Die Elster kriegt darauf ‘nen Schreck,
und dann fliegt‘se wieder weg.

Herr und Frau Rabe kommen oft,
doch meisten ziemlich unverhofft.
Die Drossel macht sich aus dem Staube;
hingegen doch Herr und Frau Taube

wandern in der Nachmittagssonne
gemächlich und auch voller Wonne
übern Rasen. Picken hier und picken da,
weil da wohl ein Würmchen war.

S‘ ist Pfingsten Leute; bleibt mal friedlich.
Macht‘s euch so gut es geht gemütlich.
An diese Welt mit ihren Sorgen:
denkt nicht dran vor übermorgen.

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Man hört so oft, das im Prospekt nicht die ganze Wahrheit steckt.

Man hört so oft, daß im Prospekt
nicht die ganze Wahrheit steckt…………

man liest den Text und denkt sich dann:
ob es wohl schlimmer kommen kann?
Die Fremde lockt uns; das Exotische,
das Unbekannte, das Idiotische.
Das Romantische, das Wilde.
Man ist ja nicht genau im Bilde.
Das Ungewöhnliche möcht’ man so gern erleben.
Das Unvorhergesehene. Abenteuer eben.

Hängt über dir ne Kokosnuß
am Palmenbaum, bringt das Verdruß.
Wenn du dort einschläfst, sie fällt runter,
dann wirst du sicher nicht mehr munter.
Drum ist es ratsam, nicht zu schlafen unter Palmen,
du könntest schneller hin sein als vom Tabak qualmen!
Das Meer ist unberechenbar, geh nicht so weit hinein;
du prüfst erst mal, wie tief es ist, und schon fehlt dir ein Bein.

Man hat, es dir zu sagen, leider ganz vergessen:
in dieser Gegend sind die Fische sehr verfressen.

Man hat schon oft genug gehört, die Affen
machen einem auch ganz schön zu schaffen.
Schon mancher Gast bekam dann einen Schreck:
der größte Teil war nämlich weg von dem Gepäck.
Wenn sie dann kreischend durch den Urwald sausen,
dann werfen sie es einfach fort. Die Affen. Die Banausen!

Und achte drauf bei dem Bezug einer Behausung,
ob sie gereinigt. Sonst droht dir vielleicht Entlausung.
Draußen krabbeln manchmal dicke, große Spinnen,
die beißen. Also, bleib mal vorsichtshalber drinnen.
Doch drinnen krabbeln eine Menge anderer Tiere,
da geht man dann halt vorsichtshalber vor die Türe.
Viele Menschen lieben es nun einmal ganz exotisch,
für manche Paare ist der Reiz auch noch erotisch.

Ein Bein ist ab, am Kopf (falls noch vorhanden) ist eine Beule
Von wilden Tieren hört man nachts im Urwald das Geheule.
Wenn eins vor deiner Türe auf dich wartet, ausgehungert,
hat es solange ganz beharrlich dort herumgelungert.
Du trittst frühmorgens raus, willst nach dem Wetter sehen.
Schon schnappt es zu. Ach, nebenbei: Heut wird es schön!
Wenn man’s bedenkt, ist es ja oftmals nicht zu fassen
was manche Leute sich den Abenteuerurlaub kosten lassen.

Was die verspeisen, was die so kochen in der Ferne,
das ißt man ja nicht immer ausgesprochen gerne.
Da riecht man ja von weitem schon den Braten.
Was die geschlachtet haben, kann man ja nur raten!
Willst du dein Gewissen und die Nerven schonen,
öffne lieber eine Büchse mitgebrachte Grüne Bohnen.
Man möchte ja mit solchen Tatsachenberichten
die Lust auf Abenteuerurlaub nicht direkt vernichten.

Man tröstet sich: man schätzt nun mal ein andres Klima.
Wenn man’s bedenkt: bei uns ist auch nicht alles prima.
Geht man hier irgendwo einfach ins Wasser rein,
fehlt einem eines Tag’s womöglich auch ein Bein.
Man weiß ja nicht, was außer uns noch drinnen war.
Manch’ Chemikalien wirken gleich, oder erst nach einem Jahr.
Den Kopf behält man in den meisten Fällen dran,
damit man notfalls ab und zu mal denken kann.

Ist das nicht schön? In Freiheit leben? Man hat Rechte.
Man kann also Urlaub machen, wo man gerne möchte.
Man kann sich auch die wildesten, entfernten Ziele wählen.
Kommt man heil wieder, kann man allerhand erzählen.
Mann wird darum beneidet, hat man die Welt gesehn.
Man sollte nicht vergessen: hier ist es auch ganz schön.
Man hat die Welt gesehen, man kennt sich bestens aus.
Doch oftmals kennt man wenig über das eigene Zuhaus.

Berlin, den 12. September 2009
L E W I

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Die letzten Tage im November

Die letzten Tage im November
(Vor meinem Fenster)

Die Birke hat ihr Kleid verloren
und schwarz und feucht sind ihre Äste.
Kein Vöglein läßt sich darauf nieder.
Verschwunden sind die kleinen Gäste.
Nun fehlt ihr zwitschern, ihr Gesang
wohl einen ganzen Winter lang.

Die letzten Blätter treibt der Wind
und bläst sie in versteckte Ecken,
wo sich zum Winterschlaf bereit
manch kleine Tiere oft verstecken.
Nur spärlich bricht sich noch die Sonne
an manchen Tagen mutig Bahn,

daß wir zu unser großen Freude
auch mal den blauen Himmel sah‘n.
Kurz sind die Tage und die Nacht ist lang.
Man zieht zurück sich in Geborgenheit.
Für manches, was man gerne machen wollte,
hat man auf einmal doch noch Zeit.

Der eine geht, der andere kommt.
Zum Abschied sagen wir Ade, November.
Advent und Kerzenschein, und Weihnacht.
Sei uns willkommen nun, Dezember.
Die Birke hat ihr Kleid verloren
und schwarz und feucht sind ihre Äste.

Paar Blätter schaukeln noch im Wind;
die kümmerlichen Überreste.
Vielleicht fällt aber weißer Schnee
bald schweigend auf die Erde nieder.
Dann freut es mich, wenn ich sie seh‘
und singe ihr paar Weihnachtslieder.

Die Birke hat ihr Kleid verloren,
doch ist vorbei die Winterszeit,
bekommt sie in den Frühlingstagen
ein schönes, neues, grünes Kleid.
Dann fängt das Lied von vorne an,
an dem man doch nichts ändern kann.

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Ducht am Ufer

Dicht am Ufer gibt es die „Piratendiele“.
Alles feste Bänke, feste Tische, feste Stühle.
Weil man sich hin und wieder ordentlich verhaut,
und den Gästen ab und zu auch mal was klaut.
Wenn es zu bunt wird, ruft der Wirt, der schwarze Peter,
nach Hektor, seinem Hund. Das ist ein Riesenköter.
Er murmelt leise: “Hektor, ran an die Bouletten!“
Hektor steht auf und knurrt. Da kann man wetten,
daß sich in Windeseile leert die ganze Örtlichkeit.
Und Ruhe gibt es wieder – für eine kurze Zeit.

Am Montagabend, neunzehn Uhr, im Hinterzimmer,
sieht man regelmäßig, denn sie kommen immer,
drei bessere Herren, dem Ehestand entfloh’n für kurze Zeit.
Sie essen erst mal gut und reichlich. Dann sind sie bereit,
um einen sehr gepflegten Skat zu spiel‘n. Dazu paar Biere.
Meistens sind es mehr, doch mindestens sind’s viere.
Am Montagabend wird die Freiheit voll genossen
und zwischendurch ein Schnäpschen eingegossen.
Sie wollten heute wieder ganz entspannt beisammen sein.
Doch auf der Stelle, hinterhältig, griff das Schicksal ein.

Es war ja Herbst. Es regnete, ein wilder Sturm kam auf.
Die „Piratendiele“ leerte sich. Und alsbald, im Dauerlauf,
versuchten die Gäste, schnellstens nachhause zu kommen.
Aber das hatte zumeist ein sehr nasses Ende genommen.
Die Spieler ließen sich davon nun aber nicht vertreiben.
Sie wollten Karten spielen und gern noch etwas bleiben.
Das war dem schwarzen Peter nun tatsächlich Schnuppe.
Er ging in die Küche und aß eine heiße Gullaschsuppe.
Gerade taucht er wieder den Löffel in die Suppe ein,
denkt er: hier stimmt was nicht! Was sollte das denn sein?

Finster ist’s! Das Licht ist plötzlich ausgegangen.
Der ganze Tag heut‘ hatte schon belämmert angefangen.
„Bei diesem Sturm fällt uns die Bude wohl noch auf den Kopf.
Aua. Ich verbrenne mir die Finger an dem Suppentopf.
Wo ist der Hund? Wo ist ne Kerze? Wo ist denn nun Feuer?
Ich kann nur sagen, das alles ist mir wirklich nicht geheuer.“
Im Gänsemarsch nun kommen die drei eifrigen Strategen
dem schwarzen Peter und dem großen Hund entgegen.
Man versammelt sich gemeinsam nun um einen runden Tisch.
Wie das nun weiter gehen wird, weiß man jedoch noch nich.

Der Regen prasselt unentwegt gegen die Scheiben,
man hofft, daß alle Ziegel auf dem Dache bleiben:
auch hört man hin und wieder große Äste brechen.
Will die Natur sich denn für irgend etwas rächen?
In großen Bächen rinnt das Regenwasser schneller
die Stufen runter und dann in den Heizungskeller.
Kein Licht, kein Telefon; der Hund fängt an zu jaulen.
Der schwarze Peter muß den Hektor etwas kraulen.
„Bei Fuß, mein Hektor – wir warten hier jetzt auf der Stelle
für eine Freifahrt geradewegs bis in die Hölle!“

Den Gästen wird es langsam ganz unheimlich.
Die Atmosphäre ist inzwischen auch schon peinlich.
„Wir hau’n jetzt ab, egal, raus in den kalten Regen.
Auf dieser Stätte hier liegt ganz bestimmt kein Segen.“
Der schwarze Peter grinst gemein und macht sich lustig.
„Ihr seid drei Feiglinge, das ist ja klar, das wußt’ ich!“
Sie haben sich nun jeder eine Tischdecke genommen,
(obwohl sie ohne diese Accessoires hierher gekommen)
dann sind sie, eingehüllt in diese, also bald entkommen.
(Etwas anderes haben sie jedoch nicht mitgenommen).

Völlig durchweicht, ja, naß bis auf die Knochen,
total erschöpft sind heimwärts sie sodann gekrochen.
Ein Schnupfen ließ sich deshalb nicht vermeiden.
Sie mußten wirklich ein paar Tage schrecklich leiden.
Und eines Tages, so etwa nach zwei Wochen,
hatten sie sich kurz entschlossen abgesprochen,
der „Piratendiele“ die –Leihgaben – zurückzubringen.
Man ist ja meistens ehrlich in so kleinen Dingen.
So machten sie sich also auf am Montagnachmittag.
Und als sie ankamen, traf sie beinah der Schlag.

Herabgebrannt war das Gebäude, Mauerreste
noch von den Räumen, wo vorher die Gäste
sich unterhielten, sich prügelten und tranken,
verkohlte Balken, die noch schrecklich stanken.
Man war fürwahr bestürzt, man spekulierte wild.
Im Kopfe formte sich sogleich manch grausig Bild.
Der Fantasie ließ man in diesem Falle freien Lauf;
was da passiert war, regte einen wirklich auf.
Mit Hektor an der Leine stand der schwarze Peter
ganz dicht vor ihnen, nicht einmal drei Meter.

„Hallo“ begrüßt er sie, er lachte und blieb stehen:
„wir haben uns ja eine Weile nicht gesehen—„
Und nunmehr konnten die entgeisterten Strategen
die Leihgaben geschwind noch auf die Mauer legen.
Sie rannten, um schnellstens Distanz zu gewinnen,
so weit wie möglich. Nur weg! von Hinnen!
Aber nach einem Jahr stand da ein neues Haus
am gleichen Platz. Es sah vertrauenerweckend aus.
Hell und freundlich, romantisch und sehr gediegen.
Nur auf Bestellung war ein freier Tisch zu kriegen.

Der schwarze Peter nannte es „ Zum Freibeuter“
Und die drei Freunde spielten freudig wieder woiter,
An jedem Montagabend zur gleichen Stunde
traf wieder sich, wie einst, die alte Herrenrunde.
Nach ein paar Bieren fragten die alten Knaben
manchmal: wollte die Hölle den Peter nicht haben?
Hatte sie Herr und Hund wieder ausgespuckt?
Er hat ja manchmal so komisch gekuckt…..
Der Peter hatte so seltsamen Humor…
das kam einem oftmals eigenartig vor…

„Hallo Peter, ließ Beelzebub dich einfach gehen?“
„Nein, nein, nicht einfach so. Ihr müßt verstehen,
er wollt’ Ersatz. Doch meinen Hektor? Niemals! Nein!
Besser bedient wär er auf jeden Fall doch mit euch Dreien!“
An diesem Abend hatte man nach ein paar Stunden
den schwarzen Peter und den großen Hund gefunden.
Und die drei Herren blieben nun für immer fort
von diesem seltsamen und unheimlichen Ort.

Man darf mit solchen unbekannten Sachen
einfach keine Scherze machen…..

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