Die Wiesenschildkröte und ihr Kröterich

Die Sonne scheint, das Gras ist grün,
die Vögel zwitschern vor sich hin.
Tagaus tagein immer dasselbe.
Ob an der Donau oder an der Elbe.
Mal windet es und mal fällt Regen nieder.
Wenn er aufhört scheint die Sonne wieder.

„Ich möchte mal was anderes sehen
und auch mal andere Wege gehen“
sagt der Herr Schildkröt da zu seiner Frau.
„Ich weiß es auch schon ganz genau,
wo ich am liebsten wandern täte.
Nu komm, mein Liebling Margaräte.“

„Wo willst du hin, Geliebter mein!
Es könnte doch gefährlich sein.
Auf fremden Pfaden harren Tücken,
die uns sicher nicht entzücken.
Laß uns doch auf dieser Wiese bleiben
und philosophisch uns die Zeit vertreiben!“

Der Schildkrötmann gibt keine Ruh
und setzt der Gattin mächtig zu.
Sie will nicht, hat den Kopf für sich.
„Dann nicht du Kröte“ bös er spricht
und wandert Schritt für Schritt alleine
über Sand und Stock und Steine.

Am breiten Rand der Autobahn
hielt er erstaunt nun erst mal an.
Er war verblüfft, bekam ‘nen Schreck
und wollte schnellstens wieder weg.
Den Weg zurück er fast schon rannte,
weil ihn Verzweiflung übermannte.

Nach eine Weile banger Stunden
hat endlich er sie doch gefunden,
in Tränen aufgelöst, die Ärmste.
Nun begrüßt er sie aufs wärmste
und erzählt, was allerhand er so erlebte
und die Gattin voll Bewunderung erbebte.

Sie hört ihm zu voller Entzücken.
Es muß einen ja auch beglücken,
und erfüllen außerdem mit Stolz.
Da klopft man dreimal doch auf Holz.
Unversehrt ist heimgekehrt der Held.
Er hat sich umgesehen in der Welt!

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen
Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Gedichte, Geschichten, Humor, Kurzgeschichten, Lyrik, Prosa, Unterhaltung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s