Das endlose Kaffeegedicht

Hier geht es los, doch enden wird es nicht,
denn hinten dran schreib‘ ich ja so wie immer
natürlich noch ein Gedicht.

Ich glaub, mich laust der Affe!
Wo steht denn jetzt mein Kaffee?
Die Affen sind im Zoo.
Mein Kaffee irgendwo.
Endlich hab‘ ich ihn entdeckt.
Ob er mir so kalt noch schmeckt?
Schließlich weiß ja jeder Affe:
es ist alles kalter Kaffee.

Mancher trinkt Wein, ein anderer Bier.
Ich sitze nachts so gerne hier
und schreibe dann bei Wind und Wetter
sie alle voll, die weißen Blätter.
Heiß ist der Kaffee – ich muß pusten.
Ach – verschluckt. Nun muß ich husten.

Es gibt Menschen, die da wohnen
weit weg im Land der Kaffeebohnen.
Ob die sich auch welchen rösten
und trinken dann den allerbesten?
Ich gieß mir noch mal Kaffee ein.
Der andre wird nicht besser sein.

Wenn die Geistesblitze zucken
kriegt man schon mal seine Mucken.
Und dann muß ein Kaffee her,
sonst läuft einfach gar nichts mehr.
Und auf einmal, wie ein Wunder:
rinnt Kaffee die Kehle runter,
ist im Lot die kleine Welt
und Ordnung wieder hergestellt.

Kaffee, besonders gut geröstet,
ist etwas, was den Menschen tröstet.
Was ihn bei guter Laune hält.
Denn nur das Wohlbefinden zählt.
Ich kann nicht dichten ohne Kaffee,
da hilft nicht mal der Lauseaffee.

Was wär‘ die Welt ohne Kaffee?!
Ich trink‘ nun mal nicht gerne Tee.
Und heut‘ kann ich sie sogar seh‘n,
die Tasse – direkt vor mir steh‘n!

Es ist ein schlimmer Tag in diesem Falle:
auf einmal ist der ganze Kaffee alle,
Da renne ich, noch kurz vor Ladenschluß,
weil ich ja unbedingt noch Kaffee kaufen muß.
Gerettet! ich würd‘ in Depressionen ja versinken.
könnt oich mal einen Tag lang keinen Kaffee trinken!

Ein Täßchen noch zu guter Letzt,
dann mach ich Feierabend jetzt
und schlürfe friedlich den Kaffee,
bevor ich endlich schlafen geh‘.

Man muß der Schöpung doch sehr dankbar sein,
denn eine staunenswerte Menge fiel ihr ein
von Stauden, Sträuchern, Hecken, Büschen, Bäumen,
davon kann man auf einem andern Stern nur träumen.
Und Früchte, daß sich der Mensch davon ernähren kann
hängen Gottseidank auch an den allermeisten dran.

Und bückt sich einer mal gelegentlich zur Erde runter,
dann findet er bei einigen sogar auch noch was drunter.
Mal so, mal so, das alles war ja nicht so ohne.
Das Beste allerdings, das war die Kaffeebohne.
„Offnet die Schoten! D‘rin sind Bohnen , und am besten
ist‘s für die Eingeweide, diese erst einmal zu rösten.“
(Die Bohnen.)

Dann zerkleinert ihr sie fein zu Mehl zwischen zwei Steinen.
Haut nicht auf den Daumen, das tut weh, da müßt ihr weinen.
Und wenn das Wasser sprudelt wird es drauf gegossen.
(Nicht auf den Daumen.)
Und danach wird der Kaffee dann ganz langsam heiß genossen.
Und wird er kalt, bleibt er schon mal ne Weile stehn,
dann trink ihn trotzdem, kalter Kaffee macht ja schön.
(Leider weiß man nicht, nach welcher Zeit)

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Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen
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