Etwas voreiliger Willkommensgruß

Als Ich noch zur Schule ging, da mußten wir in der ersten
und zweiten Klasse auch schon lange Gedichte auswendig lernen,
um das Gedächtnis zu trainieren. Als meine Kinder in die Schule
kamen, war dieser Brauch noch üblich. Aber meine Jüngste,
zwanzig Jahre später, brauchte sich damit nicht aufzuhalten.
(Wir hatten uns aber nicht gequält, es hat Spaß gemacht) und
vermittelte auch immer so ein Gefühl von Euphorie. Überhaupt,
wenn man vor der Klasse stand, eine Knicks machte und dann
den Dichter nannte und das Gedicht aufsagte. Daran erinnere
ich mich noch heute mir einem hinterhältigen Grinsen, wenn ich
an diese Schulstunden denke, Und an die Schulmappe, den
Ranzen. Mit Schiefertafel, Schwamm und Tafellappen, Griffel
und dem Lineal, das hochkannt an der Seite herauslugte.

Und eines dieser alten Gedichte fällt mir jedes Frühjahr ein; in
diesem Jahr ganz besonders: weil der Frühling ja mehr oder
weniger noch Verspätung hat..

Vetter Starmatz, Vetter Jakob

Wenn der Starmatz wieder heimkommt
und der Frost nicht mehr dräut,
ach, was sind da die Kinder
für glückliche Leut‘.

Denn da schwirrt‘s bald und da
schwebt‘s bald in Lüften zuhauf.
Und da tun bald alle Blüm‘lein
ihre Äugelein auf.

„Vetter Starmatz, Vetter Jakob,
was bringst du uns mit?“
„Ein bissel knarren, ein bissel flöten,
ein bissel zwitschern, ich bitt‘.

Keine Taschen im Rocke;
kein Ränzchen ist mein.
Wo tät ich in der Fremde
für euch was hinein?“

„Vetter Starmatz, Vetter Jakob,
dein Häuschen steht leer.
Unser Sperling wollt‘s mieten,
es gefiel ihm so sehr.

Was willst du uns zahlen.,
vermiet‘ ich dir das?“
„Ei, da sing‘ich, ei da spring‘ ich,
ei, da spaß ich euch was!“

„Vetter Starmatz, Vetter Jakob,
wo hast du deine Frau?“
„Wenn die Stube wird blank sein,
dann kommt sie zum Bau.

Und da gibt‘s art‘ge Kinder,
nicht eins wird gewiegt.
Denn ein tüchtiger Starmatz
ist allzeit vergügt.

Das ist mal nicht von einem großen deutschen Dichter,
sondern von Victor Blüthgen, der meines Wissens
Verleger war (?)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Gedichte, Geschichten, Humor, Kurzgeschichten, Lyrik, Prosa, Unterhaltung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s