Wenn alles grünt, blüht und gedeiht

Wenn alles grünt, blüht und gedeiht,
dann ist es wieder mal so weit;
dann ist der Winter längst verschwunden
und man verbringt ne Menge Stunden
im Garten. Pflanzt und gießt und hegt
und liebevoll wird jedes Beet gepflegt.

Die Sonne lacht; mit heitrem Sinn
erscheint die schöne Gärtnerin.
Sie blickt zum Himmel, der ist blau,
und deshalb weiß sie nun genau:
der Tag wird schön, ganz ohne Frage!
In dieser Hinsicht: keine Klage.

Die Blumen leuchten, Bäume blühen.
Fleißige Ameisen in Scharen ziehen
auf langen Straßen durchs Gelände.
Da ringt die Gärtnerin nun ihre Hände
und überlegt: was kann ich machen?
Recht ärgerlich sind solche Sachen.

Ein Frühlingstag so schön wie heut
macht fröhlich, glücklich, und erfreut
den Menschen. Also denkt sie heiter:
Ich gucke weg – krabbelt man weiter.
Darauf geht sie mit frohem Sinn,
(trällert ein Liedchen vor sich hin)

sich zu betrachten Beet für Beet,
wie’s um die kleinen Pflänzchen steht.
Versteinert steht sie da vor Schreck:
die Pflänzchen sind so gut wie weg.
Die nackten Schnecken, ach, Legionen
anscheinend hier im Garten wohnen.

Die Sonne scheint. Mit trübem Sinn
geht nun ins Haus die Gärtnerin.
Nach kurzer Zeit kommt sie dann raus
und sieht inzwischen anders aus.
Kampfanzug, Gummistiefel, finstrer Blick:
die Schnecken haben wohl kein Glück

sich ihres Lebens länger zu erfreuen.
Sie werden sicher schwer bereuen,
daß sie vertilgt, was nicht für sie bestimmt.
Die Gärtnerin nun finstre Rache nimmt.
Ihr zu entgeh’n sollten die Schnecken
sich schnellstens irgendwo verstecken.

Sie sind ja schlecht zu Fuß, das dauert…
Ihr Hinscheiden wird sicher nicht betrauert…

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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