Jedem das Seine

Das Mädchen trägt ein kleines goldenes Kettchen –
Die Birken tragen kleine grüne Blättchen –
Die Leute tragen volle Einkaufstüten –
Die Apfelbäume tragen weiße Blüten –

Der eine bringt zur Reinigung die Sachen –
Der andere bringt die Leute gern zum Lachen –
Der eine bringt sein Geld nur ungern auf die Bank –
Der andere bringt Blumen mit zum Dank –

Die Dame fährt sehr gerne mit der Straßenbahn –
Der Herr fährt mit der Eisenbahn nach Amsterdam –
Das Kind fährt mit dem Roller fröhlich her und hin –
Die Touristen fahren häufig nach Berlin –

Die Leute stehen Schlange an der Haltestelle –
Die Autos stehen wartend bei der roten Welle –
Die Soldaten stehen stramm in Reih’ und Glied –
Der Mann steht hinterm Zaun, weil es so zieht –

Die Kinder kaufen sich vom Taschengeld ein Eis –
Der Mann kauft nichts, zu hoch ist ihm der Preis –
Der Tierfreund kauft für seinen Wellensittich Futter –
Die Hausfrau kauft im Sonderangebot die Butter –

Der Sparsame legt gern was auf die hohe Kante –
Der Nachbar legt viel Wert auf Freunde und Bekannte –
Der Gärtner legt die Samenkörner in die Erde –
Der Reiter legt viel Wert auf gute Pferde –

Der Mann sitzt stumm am Tresen und trinkt Bier –
Das Kind sitzt auf dem Lokus und wartet auf Papier –
Der Gangster sitzt im Knast und hofft auf Amnestie –
Der Rentner sitzt auf einer Bank und kratzt an seinem Knie –

Der Ehemann sieht oft nach anderen Frauen –
Die Kinder sieht man jetzt Sandburgen bauen –
Die Frau’n sieht man zusammen, um zu tratschen –
Die Müden sieht man jetzt nachhause latschen –

Der Mann läßt seinen Hund nicht von der Leine.
Die Mutter läßt die Kinder nicht alleine.
Der Gärtner läßt den Rasen tüchtig nässen.
Der Milde läßt die Armen nicht vergessen.

Ich lasse mich auf nichts mehr ein
und lasse jetzt das Dichten sein
LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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