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Lieber Frühling

Der Frühling hatte Zeit genug, sich auszuruh‘n.
Damit ist Schluß. Denn nun bekommt er wast zu tun.
„Nun sieh‘ dir mal die vielen kahlen Äste an.
Da müssen ja nun schnellstens wieder Blätter ran.
Da darfst du in der Hast die Arbeit nicht versau‘n.
Nicht jedes Blatt paßt einfach so an jeden Baum.

Akazien, Birken, Pappeln, Eichen, Buchen, Linden,
für alle mußt du auch die richt‘gen Blätter finden.
Setze dich augenblicklich nun schon mal in Trab.
Vertrödelst du die Zeit, dann fall‘n se ja gleich wieder ab.
Nun bekommst‘e erst mal ordentlich auch was zu tu‘en.
Unsereins möcht auch mal gern und darf nicht dauernd ru‘hen.

Nächsten Sonntag prüfe ich, ob du schon angefangen
und ob an manchen Ästen schon paar Blätter hangen.
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Nun ist es Sonntag und das Wetter schön.
Da konnte man erfreut spazieren geh‘n.
Und auch mal prüfend gucken, hier und da
an manchen Ecken, wo man vorher schon mal wa.
Und siehe da, da fing‘ es schon mal kräftig an,
denn hier und da waren auch dicke Knospen dran.

An Bäumen, Sträuchern ist es kräftig nun gesprossen,
und in den Gärten wird gepflanzt und auch gegossen.
Und wenn die Sonne scheint ist ja der Mensch auch froh.
Nun, lieber Frühling. dann mach mal immer weiter so!
Der Mensch ist automatisch heiter dann gestimmt
und trägt‘s mit Fassung, wenn was Schlechtes kimmt.
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Man ist beeindruckt nun und sehr bewegt;
nu haste aber mächtig dich in‘s Zeug gelegt.
Nun kann man ja den Blick fast nicht mehr wenden
von allen Ecken und von allen Enden.
Es blüht und duftet; die Kaninchen Ha‘m ‘nen Koller,
und sie treiben‘s täglich noch ein bißchen doller.

Wie wild geworden Gänseblümchen sprießen.
(Ob wohl schon Pilze wieder aus dem Boden schießen?)
Magnolien, fast verblüht, Forsythien leuchten,
und des nachts vom Rasen die Kaninchen fleuchten,
denn der Fuchs war unterwegs, der Iltis auch,
machten Beute, um zu füllen ihren Bauch.

Da ha‘m wir‘s besser. Müssen nachts nicht jagen.
Nur nachmittags die Einkaufstüten tragen
mit Belag und all den guten Sachen,
um ein ordentliches Abendbrot zu machen.
Man ist zufrieden und beglückt, schaut zwei mal hin:
ob man es glaubt oder auch nicht:

„Es ist ja Frühling in Berlin!“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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