Friedolin der Hüpfer

Friedhelm, der Hopser
(Eine tragische Legende)

Am Wiesenrain, vorm Buchenwald,
saß eine traurige Gestalt
auf einer Glockenblumenblüte.
Verstört, mit traurigem Gemüte
und deshalb fast verwirrtem Sinn,
jammert sie lautlos vor sich hin.

Mit den Halmen spielt der Wind,
und die Krabbeltiere sind
erfüllt von Unternehmungsgeist,
was Wohlbefinden ja beweist.
Nur die Isolde ist voll Trauer
und auf ihren Bräut‘jam sauer.

Ach, diese traurige Gestalt
fand auf der Glockenblume Halt
und weint nun leise vor sich hin.
„Was hat das Leben noch für‘n Sinn
so ohne Dich? Die Welt ist leer;
Wo nehm‘ ich nu ‘nen anderen her?“

Friedhelm der Hopser hört den Kummer.
„Was ist denn das für eine Nummer
die Du hier abziehst? Sag, du Holde,
bist du nicht Engelbert‘s Isolde?“
„Ach, rühre nicht an meinem Schmerz,
sonst bricht womöglich noch mein Herz!“

Der Engelbert klebt weiter weg
mit seinen Füßen fest im Dreck.
Sechs Beinchen hat er, aber dreie
tanzen deshalb aus der Reihe.
Er fürchtet sich: wie es wohl ist,
wenn ihn jetzt ein Vogel frißt?

Friedhelm der Hopser zirpt im Gras.
Engelbert lauscht: „wer ist denn das?
Den kenn ich doch, der hüpft um drei
hier beinah‘ jeden Tag vorbei.
Den setze ich jetzt auf die Spur
Isoldes. „Postillion d‘Amour

soll Nachricht er zu dieser tragen
und ihr die besten Grüße sagen.“
„Der Friedhelm“ denkt der Engelbert,
ist ja ein rechtes grünes Pferd,
auch Grashüpfer genannt.
Da liegt‘s natürlich auf der Hand

daß er in so bedrängten Zeiten
kann Nachrichten sehr schnell verbreiten.
so hüpft er mehrmals hin und her
und die Isolde freut sich sehr.
Denn Friedhelm, dieser alte Strick
beharrlich an Isoldes Glück

webt nun mit reichlich eig‘nem Text.
und ständig ihre Sehnsucht wächst.
Der Friedhelm hüpfte her und hin
und hat nur Schabernack im Sinn.
Matt ist Isolde noch gekrochen.
bis ihr das kleine Herz gebrochen.

Sie sank dahin im Abendrot.
Das war Isoldes Liebestot.
Der Engelbert konnte sich nicht befrei‘n.
Drei Beine schliefen ihm ja leider ein,
die anderen dreie waren festgeklebt.
Das hat er leider auch nicht überlebt.

Der Friedhelm aber hüpft und zirpt,
bis man auch ihm den Spaß verdirbt.
Man kann es immer wieder seh‘n:
dem Schicksal kann man nicht entgeh‘n.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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