Da kann man mal sehen (Frech sind die Raben und die Krähen)

„S‘ wird Frühling, laß ein Nest uns bauen.
Laß uns zunächst nach Bäumen schauen,
die geeignet, unserem Anspruch zu genügen,
wo wir in Ruhe später unsere Kinder kriegen.“

Das Krähenpaar ist motiviert;
Hat das Gelände schon sondiert
und einen Baum, ganz unverfroren
für seinen Nestbau auserkoren.

Das war der alte Spatzenbaum.
Die Spatzen dachten nicht im Traum,
daß man sie hier wohl könnt‘ vertreiben.
Hier war man und hier wollt man bleiben.

Die Kinder kamen mit den Müttern.
S‘ wurd‘ Frühling. Man wollt Enten füttern.
Und Spatzen auch. Streut Futter, Krumen.
„Paß auf, Kind! Tritt nicht auf die Blumen,“

Die Enten kamen aus dem Teich
und tausend Spatzen auch zugleich
stürzten sich, wie losgelassen,
auf‘s Futter. Ein Stück Brot zu fassen.

Die Raben riefen die Verwandtschaft
so wie entferntere Bekanntschaft
und stürmten so des Baumes Krone.
Daß man bequem demnächst hier wohne,

und krähte gleich in die Umgebung:
„Wir sorgen hier mal für Belebung.
Seht zu, wo ihr euch Nester baut,
den Baum hier ha’m wir uns geklaut.“

Da sieht man wieder, übers Fressen
wird alles um sich her vergessen.
Auch wenn man nun zunächst mal flucht:
ein neuer Baum wird ausgesucht,

wo man dann einzieht, Paar für Paar,
wenn‘s geht dann auch für Jahr um Jahr.
Ob Herbst, ob Winter oder Lenz:
Man kämpft stets um die Existenz.

Man kann‘s bei Spatzen und bei Krähen
und noch bei manchen anderen sehen.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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