Der Mensch (3)

Der Mensch, das Musterexemplar,
war also jetzt ganz vorzeigbar.
Schön anzusehen die Statur, die Proportionen.
Da tat man ihn deshalb auch gleich belohnen
mit einem eben so gelungenen Weib.
Da hatte er dann reichlich Zeitvertreib.
Am liebsten packte beide man nun ein in Watte,
die man aber damals leider noch nicht hatte.

So stellte man sie einfach rein in einen Garten,
da konnten sie noch eine ganze Weile warten,
bis man sie rausließ, oder besser: schmiß!
Denn schon damals war das Leben nur Beschiß.
Danach ist immerfort was Schreckliches passiert.
Mal wurden welche ausgetrickst und andre massakriert.
Da kann man sich nun ärgern oder jammern oder toben.
In den meisten Fällen kommt ja der Befehl von oben.

Und Widerspruch führt auch zu nichts, wie immer.
Die, die befehlen, haben oft ja keinen Schimmer.
Sie schauen meistens aus sicherer Entfernung zu.
Und wenn’s ne Katastrophe gibt: ach jeh, was is denn nu ????
Das muß man ja nun wirklich auch mal sagen, gelle?
Da gibt’s ja mehr als reichlich beispiellose Fälle.
Wer weiß, was alles noch passiert – Geduld, Geduld!
Hauptsache man hat einen, dem gibt man dann die Schuld.

Der Mensch vollbringt Erstaunliches und Gutes
und ist so unvorstellbar schrecklich, doch er tut es.
Maßlos tut er das Gute und das Schreckliche; warum?
Warum muß er sich gegenseitig töten? das ist dumm.
Kein Tier tötet um zu töten, nur, um sich zu ernähren.
Der Mensch, der tötet alle, auch die, die sich nicht wehren.
Wer hat ihm denn das nur mal eingeredet: Vernichte!
Dagegen hilft wohl kein Gebet und auch keine Gedichte.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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2 Antworten zu Der Mensch (3)

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