Verborgen in des Waldes Mitte…….

Verborgen in des Waldes Mitte
ein Häuschen stand. S‘ war keine Hütte.
Solides Handwerk, konnt‘ man sehen,
wurd‘ angewendet beim entstehen.
Denn sieben kleine Handwerksleute,
die Fleiß und Arbeit noch erfreute,
schafften sich in der Arbeitspause
ein sehr gemütliches zuhause.

Frühmorgens, wenn die Sonn‘ erwachte,
man sich schon auf die Socken machte,
tief aus dem Berg das Erz zu holen.
Das war natürlich nicht gestohlen,
und keine Amtsperson sie störte,
weil ihnen dieser Berg gehörte.
Sie lebten froh nun eine ziemlich lange Zeit.
Dann eines Tages aber gab es Streit.

Pimpf, der Kleinste, mußte schon seit Wochen
zuhause bleiben und für alle kochen.
Da ging es nicht um Braten, Suppe oder Brei.
Am schlimmsten war die ständ‘ge Mäkelei.
„Bäh, so salzig, hab ich gar nicht gerne!“
„Iiih, die Nudeln. Sind ja Faden – keine Sterne-!“
„Och, die Suppe ist zu dünn. Macht ja nicht satt!“
„Pah, du weißt genau, ich mag keinen Spinat!“

„Und hör‘ mal, bitte wirst du‘s nicht vergessen:
am Sonntag möchten wir Kartoffelklöße essen!“
„Am Sonntag!“ sagt der Ptmpf mit stolzer Miene,
„bin ich verarbredet mit einer flotten Biene.
Und die ist, sag ich euch,die ist nicht ohne.
Mit der ich dann demnächst zusammen wohne.
Mal sehen, wie‘s so läuft. Nach ein paar Wochen
kann sie uns dann vielleicht auch mal was kochen.

Zunächst nun war‘n die kleinen Männer platt,
weil man mit so etwas ja nicht gerechnet hat.
Am Sonntag ging dann rum die Rotweinpulle,
dazu gab‘s Käse, Schinken und ne Butterstulle.
„Das kann ja heiter werden.Niemand hatte ja gedacht,
daß der Kleinste hier noch so Sperenzchen macht.
Jedoch am Nachmittag zur Kaffeezeit
erschien in einem eleganten Ausgehkleid

eine schwarzgelockte schöne Dame.
Sie brachte Pflaumenkuchen mit und Sahne.
Ihr Name war, verriet der Pimpf, Wittchen Schnee.
Die sechs Daheimgebliebenen, ach herrjeh
Sind verwirrt. „Wer kennt sich da noch aus.
Auf einmal ist ne Frau im Haus.
Zu allem Unglück noch: „Der Kleine!“
Gehört se dem nu ganz alleine?“

Der Kleine sagt:“ Das Fräulein Wittchen
ist ne Bekannte doch von Schmidtchen.
Ich hab‘ sie erst mal angeheuert
und hoch und heilig auch beteuert,
sie wird natürlich bei uns wohnen.
Die Arbeit werden wir belohnen.
Sie wird backen, kochen, waschen
und auch mal vom Honig naschen.

Neben der Küche gibts die Kammer,
sehr wohnlich eingerichtet ham‘mer
dann für das Wittchen den Salon.
Vielleicht träumt‘se nachts davon
es kommt vorbei aus der Provinz
ein bess‘rer Herr, vielleicht ein Prinz.
Der nimmt se mit nach ein paar Wochen.
„Muß ich dann etwa wieder kochen?“

Sehr nahe geht das ja dem Kleinen.
„Fang bloß nicht jetzt schon an zu weinen!“
Die Zukunft ist stets unbestimmt.
Man weiß ja nie, was sonst nochso kimmt.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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