Es war längst Herbst

Es war längst Herbst, der Wind blie‘s kalt.
Der Fuchs nun streifte durch den Wald
und sah sich um mit wachem Blick.
Mal blickt er vor und mal zurück.
Es knurrte heftig ihm der Magen.
Jedoch er hatte hier vor Tagen
‘ne Menge Hasen hoppeln seh‘n.
Er meinte, es wär‘n Stücker zehn.
Jetzt quält ihn Hunger, aber heute:
kein Schwanz zu sehen. Keine Beute!

Nun schnürt er traurig hin und her;
der Hunger quält ihn wirklich sehr,
und plötzlich horcht er auf. „Jeh nun,
narrt mich ein Spuk? Ich höhr‘ ein Huhn,
das gackerte doch schon ‘ne Weile.
Wenn ich mich etwas jetzt beeile,
dann hol‘ ich‘s mit zum Abendbrot.
Gebannt ist gleich die Hungersnot.
So schleicht er sich nun ganz verstohlen
zu Rentner Schütz, das Huhn zu holen.

Denn der hat einen Schrebergarten,
mit Beeren, Blum‘, Gemüsearten,
Obstsorten und Kaninchenställe.
Baut Tabak an für alle Fälle;
sorgsam wird Henne Berta auch gepflegt,
weil pünktlich sie die Frühstückseier legt..
Das schert den Fuchs nun aber wenig –
jetzt ist es Nacht, da ist er König.
„Was ist da draußen denn für‘n Krach“
denkt Rentner Schütz und ist noch wach.

In der Hand die Suppenkelle
ist er blitzeschnell zur Stelle
und haut diese, gut gezielt,
dem Fuchs auf‘s Haupt, was der auch fühlt.
Doch der Rentner weiß, wie‘s ist,
wenn mal wer sehr hungrig ist.
D‘rum gibt dem Füchslein er zu fressen,
denn man soll es nicht vergessen:
jeder muß nach Nahrung streben,
sonst kann er nicht weiterleben.

Darauf hätt‘ ich heut nicht gewettet:
denn alle sind zunächst gerettet.
Wie‘s morgen wird, das weiß man nicht.
D‘rum ist zuende das Gedicht.-

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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