Rinaldo Rinaldini

Aus der Zeit, als es weder Rundfunk noch Fernsehen gab,
aber die Leute Unterhaltung suchten, zogen die Moritatensänger
über die Dörfer und über die Märkte. Da hatten sie eine große
Tafel mit aneinander gereihten Bildern und einen langen
Zeigestock und mit einer monotonen Melodie erklärten sie
dem umstehenden Publikum die Geschehnisse.

Heiteres, Affären sowie Mord und Totschlag. Noch anfang des
letzten Jahrhunderts fand man sie zuweilen auf Jahrmärkten
und Rummeln, mehr oder weniger als Reminiszenz an die
Vergangenheit. Ein Jux für die Kinder und ein Spaß für die
Erwachsenen.

In des Waldes finstern Gründen
und in Höhlen tief versteckt,
ruht der Räuber allerkühner,
bis ihn seine Rosa weckt.

„Rinaldini!“ ruft sie schmeichelnd,
„Rinaldini,, wache auf!
Deine Leute sind schon munter,
längst schon ging die Sonne auf!“

Und er öffnet seine Augen,
lächelt ihr den Morgengruß.
Sie sinkt sanft in seine Arme,
sie erwidert seinen Kuß.

Draußen bellen laut die Hunde.
Alles flutet hin und her;
jeder rüstet sich zum Streite,
ladet doppelt das Gewehr.

Und der Hauptmann, wohl gerüstet
tritt nun mitten unter sie.
„Guten Morgen, Kemeraden,
sagt, was gibt‘s denn schon so früh?“

„Uns‘re Feinde sind gerüstet,
ziehen gegen uns heran.“ –
„Nun, wohlan, sie sollen sehen,
ob der Waldsohn fechten kann.

Laßt uns fallen oder siegen!“
Alle rufen: „Wohl, es sei!“
Und es tönen Berg und Täler
rundherum vom Feldgeschrei.

Seht sie fechten, seht sie streiten!
Jetzt verdoppelt sich ihr Mut.
Aber ach, sie müssen weichen,
und vergebens strömt ihr Blut.

Rinaldini, eingeschlossen
haut sich kämpfend mutig durch,
und erreicht im finstren Walde
eine alte Felsenbu(rg)ch.

Zwischen hohen, düstren Mauern
lächelt ihm der Liebe Glück,
es erheitert seine Seele
Diadorens Zauberblick.

Rinaldini! Lieber Räuber!
Raubst den Weibern Herz und Ruh‘.
Ach! Wie schrecklich in dem Kampfw,
wie verleibt im Schloß bist Du!
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Bis in unsere Tage ist der Räuberhauptmann
Rinaldo Rinaldini noch immer sehr populär
und hat längst anscheinend auch die Medien
erobert.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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