Angler und Hecht

Es war einmal ein junger Hecht,
der lebte froh und gar nicht schlecht
und sorgenfrei in einem See.
Ein Mensch war selten in der Näh‘.

Wenn ab und zu ein Angler kam,
sich niederließ im Angelkahn,
um Jagd zu machen auf den Hecht,
so wunderte sich der nicht schlecht,

daß er denselben nicht erwischte
(weil der sich in das Schilf verzischte.)
So blieb am Leben dieser Fisch
und landete auf keinem Tisch

zum Festmahl als besonderer Schmaus.
(aus Fisch, da mach ich mir nichts draus.)
Der Hecht zog weiter seine Kreise.
Die Zeit verging auf ihre Weise.

So mied er tunlichst die Kontakte,
damit durch Zufall nicht verhakte
ein Fischer seine ausgeworfene Angel.
Das gäb‘ auf jeden Fall Gerangel.

Er lebte weiter gar nicht schlecht
und war nun schon ein alter Hecht.
Der Angler, den er oft genarrt,
trug auch inzwischen einen Bart;

sein Haarwuchs war recht kümmerlich
(unter der Mütze sah man‘s nich).
Im See nun rauschten hohe Wogen;
Gewitter waren aufgezogen.

Der Angler wehrte sich vergebens,
am Ende seines langen Lebens
nun in den See hinabzutauchen.
Gern würd‘ er noch ein Pfeifchen rauchen.

Das geht ja nicht bei dieser Nässe.
Er denkt sich: ach, du meine Fresse!
Wo ist der Hecht? Bei diesem Wetter
bin ich auf jeden Fall sein Retter.

Das klappte nicht so, wie gedacht.
Auf einmal hat er schlapp gemacht.
Ans Ufer spülte ihn die Welle,
und auch den Fisch zur selben Stelle.

So wurden dann nach ein paar Stunden
der Hecht samt Angler aufgefunden.
Die Beiden traf der Schicksalsschlag
gemeinsam am Gewittertag. LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s