Man hört so oft, daß im Prospekt nicht die ganze Wahrheit steckt

Man liest den Text und denkt wohl dran:
ob es wohl schlimmer kommen kann?
Die Fremde lockt uns. Das Exotische.
Das Romantische und das Erotische.
Das Unbekannte möcht‘ man gern erleben.
Das Unvorhergesehene. Abenteuer eben.

Sorglos? Hängt über dir ‘ne Kokosnuss
am Palmenbaum, bringt es Verdruss.
Schläfst du dort ein und sie fällt runter,
dann wirst du sicher nicht mehr munter.
S‘ ist ratsam, nicht zu schlafen unter Palmen.
Das ist gefährlicher als ständig Tabak qualmen,

Das Meer ist unberechenbar. Geh‘ nicht so weit hinein.
Du prüfst erst mal, wie tief es ist. Und schon fehlt dir ein Bein.
Man hat es dir zu sagen leider ganz vergessen:
in dieser Gegend sind die Fische sehr verfressen.
Und Wurscht ist‘s eh, ob‘s nun Oktober ist, ob‘s Mai.
Wenn er Lust hat kommt er mal vorbei, der weiße Hai,

Man har recht oft ja schob gehört, die Affen
machen einem auch ganz schön zu schaffen.
So mancher Gast bekam da einen Schreck:
der größte Teil war nämlich weg von dem Gepäck.
Wenn sie kreischend durch den Urwald sausen,
dann werfen sie es fort, die Affen. Die Banausen!

Und achte drauf bei dem Bezug einer Behausung,
ob sie gereinigt. Sonst droht dir vielleicht Entlausung.
Draußen krabbeln manchmal dicke große Spinnen,
die beißen. Also bleib mal vorsichtshalber drinnen.
Doch drinnen krabbeln eine Menge anderer Tiere,
da geht man vorsichtshalber lieber vor die Türe.

Viele Menschen lieben es nun einmal ganz exotisch;
für manche Paare ist der Reiz auch sehr erotisch.
Ein Bein verletzt, man hat am Kopf schon eine große Beule.
Von wilden Tieren hört man nachts im Urwald das Geheule.,
Wenn eins vor deiner Türe auf dich wartet, ausgehungert,
hat es so lange ganz beharrlich dort herumgelungert.

Du trittst frühmorgens raus, willst nach dem Wetter seh‘n,
schpn schnappt es zu! Ach.nebenbei: heut wird es schön.
Wenn man‘s bedenkt, ist es ja oftmals nicht zu fassen,
was manche Leute sich den Abenteuerurlaub kosten lassen.
Was die verspeisen, was die so kochen in der Ferne,
das ißt man ja nicht immer ausgesprochen gerne.

Da riecht man ja von weitem schon den Braten.
Was die geschlachtet haben kann man ja nur raten.
Willst du dein Gewissen und die Nerven schonen,
öffne lieber eine Büchse mitgebrachte grüne Bohnen.
Man möchte ja mit solchen Tatsachenberichten
die Lust auf Abenteuer nicht direkt vernichten.

Man tröstet sich. Man schätzt nun mal ein and‘res Klima.
Wenn man‘s bedenkt: bei uns ist auch nicht alles prima.
Geht man hier irgendwo einfach in‘s Wasser rein,
fehlt einem eines Tags mitunter auch ein Bain.
Man weiß ja nicht, was außer uns noch drinnen war.
Manch‘ Chemikalien wirken gleich, oder erst nach eine Jahr.

Ist das nicht schön? In Freiheit leben? Man hat Rechte.
Man kann Urlaub machen wo man gerne möchte.
Man kann sich die wildesten, entfernten Ziele wählen.
Kommt man heil wieder, kann man allerhand erzählen.
Man wird darum beneidet, hat man die Welt geseh‘n.
Man sollte nicht vergessen: hier ist es auch ganz schon.

Man hat die Welt gesehen! Man kennt sich bestens aus.
Doch oftmals kennt man wenig über das eigene Zuhaus.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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