Herr Wolff und die alleinerziehende Mutter

Herr Geißler war ein alter Bock,
und hinter jedem Weiberrock
stieg er begierig hinterher.
Das ärgerte Frau Geißler sehr,
zumal sie sieben Kinder hatte.
Ihr wurde lästig nun der Gatte,
weshalb sie sagte:“Zieh’ bloß Leine,
denn ich erziehe jetzt alleine!“

Der alte Bock war sehr erfreut
und hatte endlich reichlich Zeit,
den Weibern hinterher zu laufen.
„Freundchen, dich werd’ ich mir kaufen!“
dacht’ sich sein Erzrivale munter
und schubste ihn den Abhang runter.
Frau Geißler diese Tat begrüßte
und dachte insgeheim: „Na siehste!“

Sie hatte ja kein leichtes Leben.
Bei sieben Kindern muß man eben
rund um die Uhr zugange sein.
Todmüde schlief sie abends ein.
Herr Wolff blickte oft interessiert;
hätt’ sie wohl gern auch mal verführt.
Die Töchter, diese hübschen Dinger
jedoch noch lieber, die war’n jünger.

Herr Wolff umkreiste und scharwenzelte,
promenierte, schlich, umtänzelte
die alte Geißler und die Geißlerchen.
„Ihr seid ja ein paar süße Scheißerchen“,
so neckte er die Jugend honigsüß,
obwohl er da auf keine Gegenliebe stieß.
Dieses nun empfand er kränkend,
und an schnöde Rache denkend

schmiedet dunkle Pläne dieser Bube
und dringt ein in Geißlers gute Stube.
Vernaschen möchte er die Geißler-Kinder,
egal, ob volljährig, ob minder-!
Zuckersüß umgarnt er sie, der Wicht.
Doch so dämlich sind ja Geißlers Kinder nicht.
Das Jüngste rannte schnell den Nachbarn holen,
der sollte dem Herrn Wolff den Arsch versohlen.

Wie das so ist: Herr Jäger und Herr Wolff
spielten beide leidenschaftlich gerne Golf.
Da hatten sie ein Thema, um zu quasseln
und den Geißlers diesen Tag nicht zu vermasseln.
Herr Jäger war noch jung und ziemlich cool.
„Na gut“ dachte sich Wolff, „werd’ ich halt schwul.“
Frau Geißler rief entrüstet aus:
„Ein Kerl kommt mir nicht mehr ins Haus!“

Man sieht, wie schnell sich manches wendet
und trotzdem noch ganz glimpflich endet.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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