Als ich noch (Berufs-) Verkehrsteilnehmerin war

Wie fröhlich bin ich aufgewacht.
wie sanft hab ich geschlafen die Nacht!
Die Fröhlichkeit wird bald entweichen,
ich muß den Bus ja noch erreichen.

Der kommt meist so, wie’s grad beliebt,
weil’s mal den Fahrer, mal den Bus nicht gibt.
Gibt es den Fahrer, ist kein Bus zur Stelle
an der nächsten Omnibusendhaltestelle.

Gibt aber es den leeren Bus an diesem Ort,
ist ganz bestimmt der Fahrer kurz mal fort.
Er wird schon wiederkommen, keine Bange.
Mal geht es schnell, mal dauert’s lange,

Der Bus kommt!. Ausgefallen war nur einer,
aber dafür kommt jetzt leider nur ein kleiner.
Die Schüler entern ihn sofort mit Schwung,
ausgeruht und fröhlich. Sie sind eben jung.

Die Schüler steigen wieder aus recht bald,
denn sie erreichten ja nun ihre Lehranstalt.
Frauen kommen, die Einkaufstüten tragen,
und Muttis mit riesengroßen Kinderwagen.

Die brauchen Platz für sich und für das Kind.
Durch den Bus zieht bald ein frischer Wind,
weil sich einer seine heiße Stirne kühlen muß.
Das bereitet nunmehr allgemein Verdruß.

Man hört verschiedentlich mal eine Melodie
und denkt: nanu, woher kennst du denn die?
Die Handys klingeln:“ja, ich bin jetzt hier….
zuhause bin ich heute leider nicht vor vier…“

Ich bin an meinem Ziel gut angekommen;
habe größ’ren Schaden nicht genommen
und stimme auf die Rückfahrt mich schon ein,
die wird ganz entschieden turbulenter sein.

Dann steigen auch die Rucksackträger zu.
Da denkt man hin und wieder schon: nanu,
es kann einen wirklich fast zu Tränen rühren,
daß sie den halben Haushalt mit sich führen.

Sind die alle wohnungslos, deshalb autark?
Meistens sind sie auch noch groß und stark,
und hauen einem öfter gänzlich unverfroren
den vollen Rucksack einfach um die Ohren.

Und das auch mit ’nem kräftigen Schwung.
Ein unbekanntes Wort: Entschuldigung!
Das kennt er eben nicht, dieser Banause!
Hoffentlich bin ich nun bald zuhause…

In diesem Fall ist Meckern auch total vergebens.
Man muß sie halt genießen, die Würze dieses Lebens!

LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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5 Antworten zu Als ich noch (Berufs-) Verkehrsteilnehmerin war

  1. wederwill schreibt:

    Die Würze des Lebend – wie toll beschrieben!
    Herzliche Freitagabendgrüße von
    Marlis

  2. hanneselch schreibt:

    Ich bin selbst Rucksackträger aber bemühe mich, den in engen Bussen und S-Bahnen abzunehmen. Leider sind manche Menschen, mit und ohne Rucksack, sehr rücksichtslos.

    • hildegardlewi schreibt:

      Das stimmt. Die Menschen von heute sind fast alle rücksichtslos – ich würde beinahe sagen, gedankenlos. Es ist ja eine Generation, die keine Manieren mehr hat, denn die, die sie ihnen hätten beibringen sollen, haben ja selbst keine. Sie haben weder Selbstbewußtsein noch überhaupt Bewußtsein. Das ist ja politisch so gewollt – soll bloß einer sagen, das stimmt nicht!

  3. haluise schreibt:

    ich geniesse auch und wie …..

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