Sommernacht im Wald

Der Tausendfüßler Waldemar
schon oft in diesem Walde war.
Dereinst, bei starkem Regenwetter
war unterwegs er mit dem Vetter,
dem Leistungssportler Adolar,
was keine reine Freude war.

Man hat gejammert und gestöhnt
und sich dann hinterher versöhnt.
Waldemar macht zwecks Erkundung
zunächst einmal eine Umrundung
um einen dicken Ast, der störte
(und ihn auch innerlich empörte)!

An einem Stein trifft er die Spinne.
Die sagt; „Nu machma bißchen hinne,
so finster ist‘s, so schwül im Wald.
Da gibt‘s wohl ein Gewitter bald.“
Waldemar flitzt. Und unter‘m Steine
sucht er Schutz und streckt die Beine.

„Na rutschma“ sagt die Spinne munter
Mach Platz. Ich stelle mich hier unter.
Da dich heut keine Schmerzen quälen,
da könn‘wa uns doch was erzählen!“
„Nun stell dir bloß mal vor“ sagt Waldemar,
der diesbezüglich sofort einverstanden war,

was schmerzlich ich erfahren mußte
und es bisher auch gar nicht wußte.
Tausendfüßler wurde ständig ich genannt.
Ungeheuerlich! Das ist doch allerhand.
Man sagt nur so. Es fehlen mir ja Beine.
Die fehlen allerdings nicht mir alleine.

Ich hab‘ ja meine Beine nie gezählt!
Wie soll ich merken, das da etwas fehlt.
Einer wie ich hat siebenhundertfuffzich Beine.
Der Grund des Schweigens also ist der eine:
Siebenhundertfünfzigfüßler, wie hört sich das an?
Weil man so etwas unmöglich sagen kann,

beim „Tausendfüßler“ ist man halt geblieben,
und die 250 fehlenden? Die Ham‘se abjeschrieben!

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s