Das ist der Ort

Das ist der Ort, an dem man gern gesessen
und in die Landschaft schaute. Selbstvergessen!
Die Zeit ist um. Man darf ja länger nicht verweilen.
Wie schnell die stillen Tage, kaum bemerkt, enteilen.
Das Städtchen liegt so ruhig da im Sonnenschein,
verträumt, romantisch – ja gemütlich muß es sein.
Die Menschen glücklich, freundlich und zufrieden,
weil ihnen dieser Platz zum Leben ist beschieden.

Ein Duft von frischem Gras entströmt den Wiesen.
Hat einer Heuschnupfen, dann muß er tüchtig niesen.
Ein Bächlein murmelt durch‘s Gelände. In den Wellen
tummeln reichlich an der Zahl sich muntere Forellen.
Kühlen Schatten spenden windzerzauste Bäume.
Die Abgeschiedenheit durchgeistern sanfte Träume.
Dann kehrt man ausgeruht und froh zurück ins Tal.
Man nähert sich dem Ort zum allerletzten Mal.

Vorbei die Stille, die Erholung, die Beschaulichkeit.
Die Autos bilden lange Schlangen. Es ist Feierabendzeit.
Touristen drängen ausgehungert durch die engen Gassen;
wollen sich zum Abendessen in den Lokalen niederlassen.
Autos hupen, Radler schimpfen. Kinder schreien, Hunde bellen.
Die Händler bau‘n die Buden ab. Ein paar lärmende Gesellen
drängen Fußgänger zur Seite. grölen allzu übermütig, laut.
Andere finden es empörend. Aber anschließend verhaut

erstmal Jeder Jeden. Und in der nun angestauten Wut
ist man nicht mehr zimperlich. Es fließt sogar noch Blut.
Endlich kommt die Polizei, denn sie muß für Ordnung sorgen.
Das hat ja gedauert! Kommst nicht heute, kommste morgen.
Inzwischen ist der Krankenwagen aber schon gekommen
und hat die Verletzten alle erst mal mitgenommen.
Mit dröhnendem Schall verkündet dieTurmuhr die Zeit.
Bald gibt‘s was zu essen; na, endlich ist es so weit..

Ein wütender Mensch durcheilt nun die Menge.
Seine Brieftasche war weg; geklaut im Gedränge.
Ein Auto gestohlen, ein Dackel entlaufen.
Höchste Zeit, die Rückfahrkarte zu kaufen.
Zeit zur Umkehr. Heinweh nach der großen Stadt .
Man denkt an die Bank, auf der man oft gesessen hat.
Aber nicht allzu lange .Denn ruhige, beschauliche Idylle,
verträumte Ecken, romantisch, ha‘m wa selber in Fülle.

Wieder zuhause im brodelnden Hexenkessel.
Gemütlich sitzen im gepolsterten Lieblingssessel
und glücklich singen:

Es jeht doch nischt, nischt, nischt über Berlin,
da will ick janz, janz, janz schnell wieder hin……

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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