Die Bänker

Im alten Park, nicht weit entfernt vom Haupteingang,
stand eine rot lackierte, sehr gepflegte Gartenbank.
Ein Messingschild, gut sichtbar angebracht, verhieß,
daß eine Firma selbige zu jenem Zwecke aufstellen ließ,
an Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Wintertagen
zur Entspannung der Bevölkerung nun beizutragen.
Und durch die Nutzung wurde also bald der Name
des edlen Spenders einprägsam auch zur Reklame.

Es wandte sich nunmehr an einem lauen Frühlingstage
ein ält‘rer Herr mit Zeitung unterm Arme, mit der Frage:
„Gestatten Sie, daß ich mich setze? Denn wir alle beide
hätten Platz genug und täten uns wohl nicht zuleide?“
an einen Herren, ebenfalls bereits im vorgerückten Alter.
„Ja, gerne. Bitte nehmen sie doch Platz! Ich heiße Walter!“
„Das ist sehr nett“ sagte der andere,“ ich heiße Günter!
Endlich wird’s wärmer, viel zu lange dauerte der Winter!“

Nun trafen sich die beiden Herren ziemlich oft im Park,
und eine echte Männerfreundschaft, fest und stark,
entstand im Lauf der Zeit. Man las! Die Presse wußte,
was in der Welt so vorging und wie man’s ändern mußte.
Nicht immer wurde Zeitung lesen einem zum Vergnügen.
Eine Wut konnte man da wirklich manchmal kriegen.
Und Verständnislosigkeit bei Günter und bei Walter:
„Ach. wir begreifen dies ja alles nicht. Es ist das Alter!“

„Ich habe heute in den Nachrichten davon gehört!
Du kannst mir’s glauben, ich bin erschüttert und verstört.
Man hat herausgefunden, daß das Rindvieh, also Kuh –
steht auf der Weide, frißt das Gras und macht dann Muh –
allein durch seine Existenz schon Pole bringt zum tauen.
Das Rindvieh kann damit die ganze Zukunft uns versauen.
In naher Zukunft ist es also leider aus mit Milch und Butter,
denn wie ein Gasometer wirkt Verdauung von dem Futter!

Selbst kilometerlange Autoschlangen sind dagegen nix,;
mit dem Rindvieh geht’s viel schneller, sozusagen fix!“
„Ich hörte auch davon. Wurst soll man jetzt vermeiden.
Man muß sich ja gewissenhaft nun auch entscheiden.
Es ist nicht gut, das Fleisch zu essen und ein Stück zu laufen.
Man sollte Kühe nicht mehr halten, sondern Autos kaufen.
Die Landwirtschaft wird ja bereits mobil gemacht.
Nur kurze Zeit, dann sind die Rinder restlos abgeschafft!“.

„Weißt du“ sagt tröstend der Günter nun zum Walter,
„mach dir nicht allzu viele Sorgen! Jedenfalls, mein Alter,
ist es der lieben alten Mutter Erde sicher völlig Schnurz.
Für sie sind wir nicht wichtiger als ein kleiner lauer Furz.
Ob der vom Rindvieh kommt oder ob wir ihn lassen –
einmal wird sie unvermutet wohl den Vorsatz fassen:
Weg mit euch! Genug von euch habe ich wirklich jetzt.
Wer hat mir nur mal diese Läuse in der Pelz gesetzt!“

Vielleicht tut sie es, wenn keiner da, der zu ihr spricht:

„HALT! ICH VERBIETE ES. DAS DARFST DU NICHT!“

Berlin, den 22.1.2010 (Die spinnen, die Römer)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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2 Antworten zu Die Bänker

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