Die Herren, die das Sagen haben…. (2)

(KOMME GLEICH WIEDER)

Man braucht für eine ganz besond’re
Angelegenheit noch einen Stempel,
dafür ist zuständig in Zimmer neun
im ersten Stock Herr Hempel.

Und die Gebühr bezahlt man vorher
schon in Zimmer zwei im Erdgeschoß.
Mit der erstandenen Gebührenmarke
rennt man dann gleich wieder los

nach Zimmer neun im ersten Stock
zum zuständ’gen Herrn Hempel,
damit man endlich ihn bekommt,
den dringend notwendigen Stempel.

An Hempels Türe prangt nunmehr
informierend ein Plakat,
das dort bisher, wie man’s ja kennt,
schon oft gehangen hat.

Man ist perplex, ist baß erstaunt
und denkt: da legst die nieder –
Hempel ist ja gar nicht da,
da steht „KOMME GLEICH WIEDER“

Für die Wartenden gibt es auch so drei
vier Stühle, doch wer soll darauf sitzen,
wenn fünfzehn Leute müde warten
und sich ermattet an der Wand abstützen?

Mit Zeitung und Kaffee ist Hempel nun zurück,
er macht jetzt Pause, denn das ist sein Recht.
Hin und wieder hört man leises stöhnen,
manchen Leuten wird es langsam schlecht.

Nach einer Stunde geht ein Mann, entschlossen,
voller Schwung ins Zimmer rein zu Hempeln
und sagt zu ihm gefährlich ruhig:
Mann, du brauchst hier einfach nur zu stempeln.

Und zwar fängst du jetzt an!
Du fängst jetzt an und machst es gleich,
Sonst reißt mir wirklich die Geduld –
ich klopp’ dich windelweich!!!

Noch auf der Stelle griff sodann
verstört nach dem bewußten Stempel,
und stempelte auch wirklich zügig –
der nunmehr leicht erblaßte Hempel.

Er machte nun, so schnell es ging,
ne Menge Stempel auf’s Papier.
Was ja auch sehr erfreulich war,
wir ständen sonst noch immer hier.

Am nächsten Tag hat Hempel
das geregelt mit Bravour.
Jetzt stehen zwanzig Stühle aufgereiht
ordentlich im engen Flur.

An seiner Türe prangt nun ein Plakat,
um zu verhindern solche Possen,
man sitzt auf einem Stuhl und wartet
und liest: „VORÜBERGEHEND IST GESCHLOSSEN !“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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7 Antworten zu Die Herren, die das Sagen haben…. (2)

  1. Sven Meier schreibt:

    Ach so, apropos „VORÜBERGEHEND IST GESCHLOSSEN !“
    Ist hier auch. Nämlich der Himmel. Der ist auch „VORÜBERGEHEND IST GESCHLOSSEN !“, lässt keine Sonne durch, also runter, rein zu mir – mich nervt das, das sagt ich dir – nur Regentropfen finden Lücken – das kann mich noch weniger entzücken.
    Und tschüss 😉

    • hildegardlewi schreibt:

      Na, das haben wir augenscheinlich hinter uns. Das waren gräßliche Tage und mit aller Selbstüberwindung – mit Humor ist da auch nichts mehr zu machen. Jetzt sollen anscheinend ein paar freundliche Tage folgen. Aber in der Steiermark, wie ich bei Alois gelesen und Fotos gesehen habe, ist noch einmal richtig der Winter hereingebrochen. Ach, die Walt ist schon ziemlich lange ziemlich verkehrt. LG, halte durch, Hildegard

      • Sven Meier schreibt:

        Jau Hildegard, mache ich. Die Fotos bei Alois habe ich auch gesehen und gestern kam mein Bruder beruflich aus der Ecke zurück und erzählte mir abends am Telefon, wie froh er darüber war, vorher zu faul gewesen zu sein, schon von Winter- auf Sommerreifen zu wechseln 😉 Tja 🙂

      • hildegardlewi schreibt:

        Ja, manchmal macht man intuitiv das Richtige. Das muß ja dort unten ziemlich heftig gewesen sein und wenn es noch ein paar Tage so weiter gehen sollte, entstehen bestimmt einige irreparable Schäden. Ach, manchmal ist es wohl am besten, man kneift einfach beide Augen zu und macht sie bißchen später wieder auf. „Mal sehen, od’s besser geworden ist (oder schlechter?)

      • Sven Meier schreibt:

        Wie das kleine Kind, das die Hände vors Gesicht hält und dir glaubhaft erklärt „Du siehst mich nicht“ 😉

      • hildegardlewi schreibt:

        Das Leben ist eines der schwersten….. sage ich immer LG

  2. Sven Meier schreibt:

    Moin.
    Ach ja Hildegard, du schreibst – dichtest – ja so wahr. Super.
    In anderer Form mal so von mir, 2013 …
    https://sven2204.wordpress.com/2013/12/10/bitte-warten-sie-haben-sie-noch-etwas-geduld/
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende

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