Das kann einen aber auch empören

Ich konnte ihn schon eine ganze Weile hören!
Er brummelte bereits seit ein paar Stunden
und hatte bisher keinen Landeplatz gefunden.
Ich wollt’ in Ruhe endlich mal die Zeitung lesen!
Erst mußt’ er unaufhörlich um die Lampe pesen,

dann setzt er sich auf meinen Arm, auf meine Hand,
wo er’s anscheinend aber nicht besonders fand.
Dann fliegt er mir noch in die Haare, ins Gesicht!
Na Dicker, so gewettet ha’m wa aber nicht!
Ich griff die Zeitung, wollte nach ihm schlagen,
doch er entkam. Was soll ich aber sagen,

ich traf die Tasse mit dem Kaffee, die fiel um.
Der lachte sich wahrscheinlich schief und krumm
und ist in Windeseile der Gefahr entkommen.
Er hatte auf dem Bilderrahmen Platz genommen.
Von dort sah er vergnügt der Reinigungsarbeit zu.
Ich hör’ ihn denken: Ganz schön blöd bist du!

-Du penetrantes Luder- denke ich verbissen,
-ich werde dich ganz schnell entfernen müssen,
bevor ich überschnappe. Denn man hält’s nicht aus,
fliegt ein dicker Brummer rum und find’ nicht raus.
Hätt’ ich getroffen mit der dicken Zeitung: Klatsch,
wärst du nicht am Leben, sondern sozusagen Matsch-

Die Spuren dieses Krieges sind nicht mehr zu sehen.
Nun kann man zu der Tagesordnung übergehen.
Ich öffne weit das Fenster, draußen ist es ziemlich kalt,
ich rede ihm sehr freundlich zu. Bloß keine Gewalt!
Mit der großen Zeitung gebe ich ihm noch Geleit.
Na endlich! Weg isser! Es wurde ja auch Zeit.

So ist er nun im letzten Augenblick entkommen
und hat auf einem Aste erst mal Platz genommen.
Aufmerksam aber schlich die Katze hin und her;
Ein Hopser und ein Pfotenschlag – er war nicht mehr!
Das ist Natur – und sie bereitet uns viel Kummer.
Ganz egal, ob man nun Mensch ist oder Brummer.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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