Immer gut für Überraschungen

Die jungen Väter sind oft mächtig stolz.
Gelegentlich, da klopfen sie dreimal auf Holz,
um’s zu bekräftigen: ja, bitte glaubt es mir,
die Intelligenz, nicht wahr, die hat das Kind von mir!

Manch einer denkt dann ziemlich schadenfroh:
ich hoffe nur für’s Kind, das bleibt nicht so!
Die junge Mutter ist genauso stolz und lacht:
das, was es kann, das habe ich ihm alles beigebracht!

Den Vorwurf kann man oft nicht überhören,
stets wiederholt, kann er auch mächtig stören:
Deine Tochter hat schon wieder mit Spinat geschmissen!
Dein Sohn hat schon wieder seine Hosen vollgeschissen!

Das Lob geht dann auch meistens sehr daneben,
zumindest bringt es Unruhe; es stört das Eheleben.
Mein Sohn kann schon alleine …(dies und jenes machen).
Meine Tochter kann schon ganz alleine…(ebensolche Sachen)

Nun gibt es einen wahren Tatsachenbericht,
nur, wem er zuzuordnen, ja, das weiß man leider nicht.
Den kleinen Kindern fall’n ja ein so manche Sachen,
die nicht unbedingt den Eltern große Freude machen.

Mama wäscht in der Küche ab, singt munt’re Lieder,
der Knabe geht hinaus und kehrt so schnell nicht wieder.
Mama denkt sich: ich muß mal sehen, was er macht.
Da kommt er schon, steht glücklich in der Tür und lacht.

„Ich hab was Schönes jetzt für dich gemacht, Mama!“
„Na, woll’n mal sehen, was es ist, mein Kind, nich wa.
Nun zeige mir die Überraschung, denn ich will sie sehen:
„Oh Gott! Ich glaub’, mein Herz bleibt auf der Stelle stehen!!!!“

Der Knabe ist erstaunt – die Mutter ist erschüttert,
sie hat das Küchenhandtuch in der Hand zerknittert,
sie schickt zur Zimmerdecke hilfesuchend einen Blick.
„Was tu ich nur, ja was? Mein Mann kommt bald zurück!“

Es weiß ja jeder Laie, ein Klavier hat ziemlich viele Tasten,
und die sind eingesperrt in einem ziemlich großen Kasten.
Sie seh’n beinahe aus wie Zähne, die ganz kräftig beißen.
Besonders scharf und auch gefährlich sind deshalb die weißen.

Und die hier eingesperrt, aus weißem, edlen Elfenbein,
die werden wohl besonders bissig und gefährlich sein.
Mit dicken, schwarzen Edding wurden sie getarnt,
legt man die Finger drauf, ist man sofort gewarnt.

Die Mutter ist der Ohnmacht ziemlich nah,
die Zeit vergeht; Papa ist auch schon da.
Das Kindchen wundert sich und fragt: warum
sind beide Eltern denn zur Zeit so stumm?

Man sah des nachts den Vater durch den Garten gehen.
Die Sterne strahlten und der Mond schien schön.
Ein Wanderer, einsam, verlassen – und auch ruhelos.
Die gleiche Frage: ach, was mach ich bloß?

Denkt man daran nach vielen Jahren,
was man mit kleinen Kindern so erfahren,
dann geben oft stolz in geselliger Runde
die Eltern von solchen Streichen Kunde.

„Ach ja, unser Junge hat…….. und so weiter,
„Tja, unsere Tochter war……na, das ist ja heiter.
Das ändert sich nicht. Die kommenden Generationen
werden sicher das Gleiche genau so betonen….

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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