Früher war alles anders

Immer muß man sich entscheiden,
das ist gar nicht zu vermeiden;
der Möglichkeiten sind es viele,
mal führen sie-, mal nicht zum Ziele.
Darum muß man es erst ergründen,
die passende Methode rauszufinden:
wie ist denn nun die Vorgehensweise –
wer hat die besten Verkaufspreise?

Damit man weise kann nun überlegen
sind Werbeunterlagen, die ja pflegen
in der Zeitung meistens beizuliegen,
wo wir sie alle Tage pünktlich kriegen,
dienlich, Angebote eben zu vergleichen
und zu fragen: wird das Geld auch reichen
um Dieses und auch Jenes zu besorgen.
Keinesfalls will man sich etwas borgen.

Um acht Uhr fängt man mit dem Frühstück an,
liest dabei die Werbung sehr genau, und dann
ist‘s wohl sicher gegen 11 Uhr und s‘wird Zeit,
man macht sich für die Einkaufstour bereit.
Noch ’nen Schluck Kaffee, und dann geht es los.
Nanu, wo sind die Kundenkarten denn jetzt bloß?
Es sind ja mindestens so um die fünfzehn Stück!
Na sieh mal an, dort liegen sie ja noch zum Glück!

Man muß sich stundenlang durch Läden quälen,
man muß andauernd seine Einkaufstüten zählen,
ob man keine irgendwo noch hätte stehenlassen.
Zu spät gemerkt; ist ärgerlich. Und an den Kassen
steh’n lange Schlangen. Man hat‘s eilig. Ärgert sich!
So viele Leute noch vor uns. Das ist verwunderlich!.
Wo kommen die nur alle her? Die haben ja alle Zeit?
Da fehlt mir wirklich das Verständnis, tut mir leid!

Zu guter Letzt sorgt man dann noch für’s Essen,
und deshalb dürfen wir auch nicht vergessen
etwas zum Abendbrot zu kaufen – leck’re Sachen,
wofür die Lebensmittelketten Werbung machen.

Von das Brot und etwas Kuchen,
von ….. den Schinken mal versuchen,
von….. Radieschen und Tomaten,
von….. saftigen Schweinebraten,
von….. den preisgekrönten Wein aus weiter Ferne,
von…… die süßen blauen Trauben ohne Kerne,
von….. den guten Käse, delikat
von….. was man sonst noch hat .

Der Tag ist um, man hat’s gerafft!
Letztendlich ist man doch geschafft!
Früher, da war alles anders – ach ja!
Trotzdem – heut’ find’ ich’s wunderbar!

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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