Das Gänseblümchen

So unscheinbar und fast am Rand
der grünen Wiese einsam stand
ganz dicht am Weg im Grase reckend
und mutig sich auch nicht versteckend,
ein Gänseblümchen. Und die Hasen
die munter grasen auf dem Rasen,
hoppeln nachts und auch am Tage
vergnügt umher, ganz ohne Frage.

Beim Gänseblümchen in der Näh‘
da wuchs auch noch ‘ne Menge Klee,
und weil‘s ne Wiese war, auch Gras.
Ist ganz normal. Wen wundert das?
Weil größtenteils nicht nur in Winkeln,
auf den Wiesenrand die Hunde pinkeln,
wußt‘ nunmehr jeder Kenner mit Erfahrung:
der Boden ist bestimmt ‘ne gute Nahrung.

Das Blümchen wuchs, schaut hin, zurück
und denkt bei sich: hab ich ein Glück,
denn rundherum, wohin man sieht,
da wächst ja Klee, und dieser blüht.
Und Sommer ist‘s, Ich muß nicht frieren.
Was soll mir hier denn schon passieren
Von Kummer, Sorgen keine Spur,
Ich bin ein Glückskind der Natur.

Dann muß es, wie so oft im Leben
mal erst eins auf die Mütze geben.
Man darf nicht ungestraft frohlocken
und ist dann völlig von den Socken,
kommt unerwartet etwas in die Quere.
Da ist man dann verwundert aber sehre.
Man hörte täglich leises Brummeln,
denn ne große Anzahl Hummeln

hatte sich auf dem Klee getummelt,
und dort sozusagen rumgehummelt.
Ein schwarzer Käfer kam gekrabbelt,
hat sich was in den Bart gebrabbelt
von wegen: was für ein Gedränge.
Ich hasse solcherart von Enge.
Und schwupp, nun krabbelte er munter
am Gänseblümchen rauf und runter

an seinem Stengel. Blöd zu witzeln,
und es am Stengel noch zu kitzeln.
Das Gänseblümchen hat gejammert.
Der Käfer hat sich festgeklammert.
Der Hummelschwarm hielt reiche Ernte.
bevor er endlich sich entfernte.

Da fiel dem Gänseblümchen ein:
wie leidvoll kann die Zukunft sein.
Die Rettung kam schon etwas näher,
man hört bereits den Rasenmäher,
der machte schon mal alles platt,
bis man ‘nen schönen Rasen hat.

Das Blümchens starb den Opfertod.
Jedoch im frischen Morgenrot
da kamen schon die neuen Triebe.
Und ja, wo die Natur wohl bliebe,
würd‘ sie es selbst nicht immer wieder richten,
wenn andere erbarmungslos etwas vernichten.

.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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3 Antworten zu Das Gänseblümchen

  1. wederwill schreibt:

    Ich liebe Gänseblümchen – und es kostet mich tatsächlich immer einige Überwindung, mit dem Rasenmäher übe die Blümchen zu gehen 😦
    Doch was will man machen?
    Ich wünsche dir ein frohes Pfingstfest und grüße ganz herzlich,
    Marlis

    • hildegardlewi schreibt:

      Sei nicht traurig, wenn du sie nicht ganz rausgerupft hast, wachsen ja ganz schnell wieder neue aus den nächsten Knospen. Ich kenne Gartenbesitzer, die wollen grüne Rasen und halten deshalb die Kinder
      an, allen Gänseblümchen die Köpfe abzureißen. Rasenmähen ist ja notwendig und sie kommen wieder neu, aber Köpfe abreißen?

      Bei uns sind inzwischen schon mal die Eisheiligen unterwegs – heute ging es noch . Aber dann?

      Trotzdem – erholsame Feiertage.
      Liebe Grüße, Hildegard

      • wederwill schreibt:

        Ja, sie kommen zum Glück und zu meiner Freude wieder und meine Mädels flechten gern mal ein Kränzchen, wenn sie im garten sind – das setzt aber dann zum Schluss keiner auf :-)))
        Ich wünsche dir auch – trotz erfrischender Temperaturen – ein schönes und erholsames Pfingstfest!
        Herzlichst, Marlis

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