Berliner Pfingsten

Heute sah ich ein Gesicht,
wonnevoll zu deuten:
bei dem frühen Pfingstenlicht
und beim Glockenläuten
schritten Weiber drei daher,
feierlich im Gange,
Wäscherinnen, fest und schwer!
Jede trug ´ne Stange.

Mädchensommerkleider drei
flaggten von den Stangen,
schöne Fahnen, stolz und frei,
als je Ktieger schwangen.
Blau und weiß und rot gestreift,
wunderbar beflügelt,
frisch gewaschen und gesteift,
tadellos gebügelt.

Lustig blies der Wind, der Schuft
Lenden auf und Büste,
und von frischer Morgenluft
Blähten sich die Brüste!
Und ich sang, als ich gesehn
ferne sie entschweben:
auf und laßt die Fahnen wehn,
schön ist doch das leben.

Gottfried Keller (1819 bis 1890)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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