Mutter und Kind

Ein muntres Fohlen hat die braune Stute,
genießt beglückt die Freuden einer Mutter.
Tollt mit der Kleinen fröhlich hin und her
und achtet auch besonders auf das Futter.
Die Sonne scheint, der Tag ist warm;
nun laufen alle beide, hoppla hopp
und im Galopp über die grüne Weide.

„Mein liebes Kind“ die Mutter spricht
mit tiefem Ernst zu ihrer Kleinen:
„es freut mich sehr, mit anzuseh‘n,
du stehst recht fest auf deinen Beinen.
Doch rate ich entschieden, meine Süße:
gib ganz besonders Acht auf deine Füße!
Du wirst ja eines Tages groß und schwer,
du bist noch klein, du wirst ja wachsen.

Und glaube mir, es ist sehr wichtig,
du hast dann auch gesunde Haxen!
Denn was auch kommt, in jedem Fall,
Die Beine sind dein Kapital!
Zu schnell vergeht die Zeit, nun laß uns weiter weiden.
Mal kommt der Tag, an dem wir müssen scheiden!“

Na jedenfalls, wie Mütter sind;
andauernd sagen sie dem Kind,
was ihm noch in der Zukunft droht.
Kein Zuckerschlecken bis zum Tod.
Na jedenfalls, wie Kinder sind:
sie schlagen alles in den Wind
und woll‘n nichts hör’n von solchen Sachen.
Sie werden es schon richtig machen.

Und zärtlich ruht der Blick der Mutter auf dem Kind.
Sie war ja auch mal eins und weiß wie Kinder sind.
Die Sonne scheint, der Tag ist warm, nun laufen alle beide
hoppla hopp und im Galopp über die grüne Weide.
Der Tag war lang, das Kind ist müd‘,
von fern erklingt ein Abendlied.
Die Sonne ist schon fast gesunken.
Man hat gefressen und getrunken,

und Mutter schöpfte neue Kraft indessen,
denn sie hat eine Menge fast vergessen,
die sie dem Kind noch muß erzählen,
weil sei sonst diese Dinge quälen.
Man macht sich um sein Kind doch Sorgen,
drum sagt man‘s lieber heut als morgen.
„Die Zukunft ist noch ungewiß –
vielleicht bleibst du ja hier bei mir,

(bloß das nicht, denkt das Kind) und wir

werden gemeinsam unsere Reiter tragen.
Das wäre schön, doch solche Fragen
sind ja noch nicht so aktuell.
Jedoch, die Zeit vergeht sehr schnell;
vielleicht wird man dich auch verkaufen –
du mußt für eine Rennstall laufen -“
Dem Kind fallen die Augen zu,
doch Mutter gibt noch keine Ruh‘.

„Ach Kind, sagt die besorgte Mutter
und schnieft geräuschvoll in das Futter:
„Vielleicht kommst du zu einem Bauern.
Vielleicht mußt du im Stall versauen,
Vielleicht…..
Der neue Morgen grüßt mit Sonnenschein,
Daher wird es ja wohl das Beste sein,
das Leben nun in vollen Zügen zu genießen
und nicht schon jetzt zukünftige Tränen zu vergießen.

Und frisch und munter toben alle beide
über die saftige grüne Weide.
Das Kind will nun von Muttern nichts mehr hören.
Das kann die ganze Lebensfreude ja zerstören,
die man, wenn man noch klein ist, doch genießt,
weil man die bittren Tränen ja noch früh genug vergießt.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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