Zwölf Monate

Im Januar ist es ziemlich kalt;
da streift der Förster durch den Wald,
und schaut mal dort und schaut mal da,
und schaut auch, wo er noch nicht war.
Da kriegt er allerhand zu seh‘n,
und das ist auch nicht immer schön.

Im Februar war‘s noch immer kalt.
Der Förster stapfte durch den Wald.
Unter den Stiefeln knirscht der Schnee,
und zugefror‘n der kleine See.
Kein Rehlein wollte munter springen,
kein Vöglein wollte fröhlich singen.

Im März wurd‘ langsam s´ Wetter besser.
Max, der Wilddieb zückt sein Messer
und hat blitzschnell ´nem kleinen Hasen
das Lebenslicht nun ausgeblasen.
Der Maxe ist nicht zimperlich.
„Zuerst denk‘ schließlich ich an mich!“

Bald wird‘s im Walde grün und grüner.
Der Fuchs stiehlt erst mal wieder Hühner.
Manch Vöglein trällert vor sich hin,
manch Reh hat Übermut im Sinn.
Man sieht es munter springen,
doch leider kann‘s nicht singen.

Nun ist es Mai. Im grünen Wald
auf einmal eine Büchse knallt.
Der Förster ist ganz aufgeregt:
Hat einer einen umgelegt?
Das muß er nun ergründen.
Er muß den Knaller finden.

Die Waldluft riecht im Juni würzig.
Elvira, nunmehr fünfundvierzig,
macht mit ihr‘m Freund`ne Landpartie.
In diesem Wald war‘n sie noch nie.
Man muß das Umfeld erst ergründen,
um einen schönen Platz zu finden.

Im Juli war‘s besonders heiß.
Dem Forstgehilfen strömt der Schweiß.
Er läßt sich auf `nem Baumstumpf niederer,
streckt erst mal seine müden Glieder.
Läßt sich in wirrem Traum versinken,
und sucht im Rücksack was zu trinken.

Na endlich ist es nun August.
Die Förstersfrau hat längst gewußt:,
jetzt muß `se Beer‘n und Pilze suchen.
Dann bäckst se wieder Blaubeerkuchen.
Noch sind die Tage warm und schön.
Man kann im Wald spazieren geh‘n.

Nun rückt der September näher.
Vom Aste späht der Eichelhäher
und etwas abseits, in der Nähe
hockt aufmerksam ne‘ Nebelkrähe.
Der Uhu pennt sich aus, wie immer
Temperament kriegt der wohl nimmer.

Nun ist‘s Oktober. Denk mal dran,
wie schnell sich alles ändern kann.
Die Zeit verrinnt, verfiegt im Nu,
und immer älter wirst auch du.
Der Herbst hat nun fast über Nacht
die Bäume alle bunt gemacht.

Doch im November tat er‘s nicht.
Das ist kein Fall, von dem man spricht.
Die Nadelbäume müssen schön
in Reih‘ und Glied beisammen steh‘n.
Kommt später dann der Weihnachtsmann
mit seinem Rentierschlitten an,

nimmt er sie mit. Dann ist‘s Dezember.
Vergessen ist längst der November.
Denn auf dem Kopf steht nun die Welt.
Und für das allerletzte Geld
kaufen die Menschen was zum knallen,
bis sie fast in Ohnmacht fallen.

Silvester. Das ist ja zum schießen.
Sie woll‘n das Neue Jahr begrüßen.
Und? Was macht das Neue Jahr?.
Im neuen Jahr, im neuen Jahr,
bleibt alles so wie‘s immer war.

Lewi

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s