Man hat ja keine Ahnung

(Dornröschen)

Gemeinsam standen an Dornröschens Wiege
die Feen in Eintracht; wünschten alles Glück,
Gesundheit, Liebe, Reichtum ohne Ende.
Nur eine nahm die guten Wünsche dann zurück.

Beleidigt, ausgeschlossen oder übersehen,
das machte ja den Kohl nun auch nicht fett.
Vielleicht hat sie die Einladung ja übersehen,
verbummelt irgendwie nur das Billett.

So kam sie nun als Letzte angekleckert
und sprühte Gift und Galle. Lächerlich!
„Na wartet mal, ich werd‘s euch zeigen!
Mit mir, da macht ihr so etwas doch nich.“

Sie machte zornig sich nun erst mal etwas Luft
und theatralisch sprach sie dazu einen Fluch.
„Das habt ihr nun davon“ lachte sie hämisch,
„von euch hab‘ ich mein Leben lang genuch!“

Zum Glück kam eine von den Feen, nämlich den guten,
noch mit Verspätung. Mußt‘ sich deshalb sputen.
Und als sie in den Saal trat, sprach sie bleich:
„Nur keine Angst, nich wa …des hamma gleich!“

Sie schob die Ärmel hoch und hob die Hände
und murmelte ganz leise vor sich hin. Am Ende
der Vorstellung beruhigt sie sodann die Gäste,
die sich versammelt hatten hier zu diesem Feste:

„Wie kann man nur so giftige Worte sprechen!
Ich tat mein Bestes, um den Fluch zu brechen,
ihn abzuwandeln und natürlich auch zu mildern.
Das Unheil ist sonst wirklich kaum zu schildern!

Doch gebt gut Acht, vernichtet alle Spindeln.
Nichts überstürzen. Noch macht das Kind ja im die Windeln.
Um dann der Dankbarkeit der Eltern zu entrinnen,
nahm sie ihr dunkelblaues Cape und rauscht von hinnen.

Verstört vom Fluch der Fee, welche da wollte,
daß das arme kleine Mädchen sterben sollte,
hielt sich in Grenzen nun die Lust auf’s Feiern,
und man begann, frustriert nach Haus zu eiern.

Da sieht man mal, wie’s zugeht in der Welt!
Es kommen plötzlich welche, die hat man nicht bestellt.
Die Übles wollen oder manches Mal auch nützen,
uns mitunter auch ganz wirkungsvoll beschützen.

Man hört sie nicht, man sieht sie nicht,
man weiß nicht, wo sie sind;
mal stehen sie zur Seite uns,
doch oftmals sind sie blind.

Der Spruch, gern angewendet,
kann man manches Tun nicht fassen:
„Bist von allen guten Geistern du verlassen?“
Wer kennt ihn nicht und hat es oft gefragt.

Und mancher hat, wie sich’s ergeben.
auch oft genug gesagt:
„Was ich hätt’ Tun und Lassen können,
es hätt’ nicht viel genützt.

Letztendlich hat ein guter Geist
mich liebevoll beschützt.
Man hört sie nicht, man sieht sie nicht.
So ist es wohl. Man staune.

Mal schaden sie, mal helfen sie.
Und das nach Lust und Laune.
Wenn wir auf dieser Erde wandeln:
ob sie wohl nach Auftrag handeln?

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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