Nun wird es aber höchste Zeit

Nun wird es aber höchste Zeit
für einen Schritt im Rückwärtsgang.
Wir sind ja viel zu schnell gerannt;
da wird uns vor uns selber bang.
Wir haben nun herausgefunden,
was man so alles machen kann.
Das ist schön! Doch fangt nicht gleich
mit allem jetzt auf einmal an.

Denn unsere gute Mutter Erde
könnte leicht die Geduld verlieren
und uns auch mal, so hin und wieder,
nun ihre Allmacht demonstrieren.
„Na wartet mal, ich mach euch Beine“
beschließt sie dann, ist ärgerlich.
„Ihr lebt hier schließlich nicht alleine!“
Da staunt der Mensch und wundert sich.

Er denkt doch nach wie vor, vernagelt,
er ist das größte Wunder der Natur.
Darauf sollt‘ er sich nicht verlassen.
Einmal ist abgelaufen seine Uhr.
Die ganze Schöpfung ist durchdacht
und alles hat im Ganzen seinen Sinn.
Der Mensch funkt überall dazwischen.
Meist sinnlos. Na egal. Hin ist halt hin!

„Nee nee, mein Freund“ sagt sich die Erde
und tut mal hier und da paar Löcher auf.
Sie schubbst nen Fluß mal aus dem Bett
und der verändert deshalb seinen Lauf.
Oft warnt sie ja mit reichlich fiesen Sachen,
doch leider tun wir so, als wär‘ das nix.
Weil wir auch dauernd fiese Sachen machen;
in solchen Dingen sind wir ziemlich fix.

Nun mal im Krebsgang – rückwärts halt.
Das Gleichgewicht ist sonst total gestört.
Wir können die Zerstörung doch nicht wollen,
weil uns die Erde nicht allein gehört.
Wir wollen nicht – und werden doch getrieben
von Kräften, die uns kontrollieren, lenken
und Einfluß nehmen, nicht zu unserem Besten.
Gebt nur nicht auf! Fangt an zu denken!

Sei gnädig, liebe Mutter Erde, gib uns Zeit
um vielerorts die Sachen einzurenken.
Vielleicht ist es ja noch nicht allzu spät
auf einen neuen Kurs jetzt einzuschwenken.
Doch fürchte ich beinah, es wird nicht glücken,
denn wie man sieht, bei vielen hohen Stirnen
täuscht ja die Optik Geist und Wissen vor.
Doch meistens sind es große hohle Birnen.

Berlin, den 2.11.2010/LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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