Die Stubenfliege

Mal sitzt sie da, mal sitzt sie hier,
was will sie denn, verdammt, von mir.
Ihr summen macht mich längst verrückt,
doch ist es mir noch nicht geglückt,
zu überreden sie zu einer Flucht.
Sie hat das Weite nicht gesucht.

Balkontür, Fenster stehen offen,
da könnte man doch wirklich hoffen,
sie fliegt davon und rettet sich;.
denn sicher ist sie bei mir nich.
Ein Glas steht auf dem Fensterbrett.
„Ach Gott, der Platz wär auch ganz nett“

denkt sich die Fliege froh gestimmt.
Worauf sie freudig Platz nun nimmt,
und blickt schon mal hinein ins Glas.
„Das riecht ja gut – was ist denn das?“
Benebelt ist sogleich ihr Sinn,
dann krabbelt sie neugierig rin.

Ein Rest von Honig war in jenem,
da blieben ihre Beine kleben.
Da brummelte sie wie verrückt,
die Flucht war leider nicht geglückt.
„Na siehste“ sagte ich zu ihr.
Ich öffnet‘ Fenster dir und Tür,

das hast du schnöde ignoriert,
darum ist dieses jetzt passiert..
Ich hab ja eine gute Seele!
Bevor ich nun die Fliege quäle,
wurd‘ vorsichtig sie nun gerettet.
D‘rauf hätt‘ ich vorher nicht gewettet,

daß diese Heldentat gelingt,
und endlich ihr die Freiheit bringt.
Ein kleiner Vogel aber dachte,
der seine Mittagsruhe machte,
„ich habe heut‘ noch nichts gegessen.
Wo find‘ ich rasch mal was zu fressen?*

und sah‘ erfreut die Honigfliege.
„Mal sehen, ob ich diese kriege“
dacht er in seinem Vogelsinn
und flog geschwind zur Fliege hin.
Doch auch die Taube dachte sich:
„das ist mal Abwechslung für mich.“

Ich wand mich ab. Das Leben ist:
wenn einer stets den andern frißt.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen
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3 Antworten zu Die Stubenfliege

  1. finbarsgift schreibt:

    …herrlich wieder!

    Kennst du meine Nasenfliege schon?
    Falls nein, dann hier zum nachlesen:

    https://finbarsgift.wordpress.com/2013/05/17/die-nasenfliege/

    Liebe Junigrüße vom Lu

    • hildegardlewi schreibt:

      Ja, das hatte ich schon einmal gelesen, und jetzt halt wieder. Prächtiger Sonenschein ist draußen, 23 Grad zur Zeit und die Kameraden zwitschern ziemlich leise. Die brauchen wohl auch immer erst besondere Anlässe, bevor sie durchdrehen. Vielleicht kreiste ja ein Adler über unseren Häuptern ? (Witz natürlich), aber ein Bussard könnte es schon gewesen sein. Hier wäre ja der Tisch für ihn gedeckt –

      Fang dir bloß keinen Sonnenbrand auf deinem Luxuskörper ein oder einen
      Mückenstich hinter dem Ohr….

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