Die Ringelnatter ( – n)

Die Ringelnatter ringelt sich;
da denkt sich so der Natterich:
„Au, die ist sehr schön schlank,
und über‘n Meter lang.
Ich wär‘ ganz gern ihr Mann,
ich schleich mich schon mal ran.

Die Ringelnatter denkt bei sich:
was will von mir der Natterich?
Was will von mir der kesse Strolch?
„Ha Kleiner, einen fetten Molch
würd‘ ich jetzt gern verzehren.
Man muß sich ja ernähren!“

Der Natterich fing eine Kröte.
„Hier bitte, Fräulein Margarete,
zieh‘n sie sich diese zu Gemüte.
Sie ist von ganz besonde‘rer Güte.
Giftig ist sie nicht,
Kinder beißt sie nicht.

Würmlein und Schnecken,
die läßt sie sich schmecken.!“
Die Ringelnatter Margarete
verschlang genußvoll nun die Kröte
und sah‘ den Ringelnatterich
so zärtlich blinzelnd nun vor sich.

Da zierte sie sich auch nicht länger
und sprach zu diesem Krötenfänger:
„Na gut, so soll es denn halt sein,
ich bin bereit und will‘ge ein.“
Im Sumpf am See, da kommt im Mai
gelegentlich ein Molch vorbei.

Auch mal ein dicker Kröterich,
oder ein Frosch. „Der ist für dich“
sagt zärtlich dann der Nattermann
und schaut verliebt die Natt‘rin an.
Und diese packt den Frosch am Beine
und frißt ihn auf. Und zwar alleine.

Die Fröschin ist total entsetzt:
„Ach Gott, ach Gott, was mach ich jetzt?
Mein Gatte ist seit Stunden
im Unterholz verschwunden.“
Voll Sehnsucht sie nun um sich blickt.
Sie wird vom Natterich verdrückt.

Am Himmel schon ein Räuber kreist,
der Ringelnattern gern verspeist.
Denn die Gesetze der Natur
sind keine wahre Freude, Nur:
man hat es halt so eingerichtet.
Jedoch nicht, daß man stets vernichtet.

Die Menschheit ist ein anderes Kaliber,
Da schreib‘ ich nicht so gerne drüber.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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