Der Schleicher

Da gab’s einen, der zum Vergnügen vieler Damen,
die in der Samstagnacht immer zum Tanzen kamen,
sich leise anschlich hinterrücks auf dem Parkett.
Die Damen fanden Schmidtchen Schleicher nett.
Er tanzte leicht und führte Frauen, jede Menge,
bei Tango, Foxtrott, Samba sicher durch’s Gedränge.
Wehrlos lagen sie in seinen Armen, den weichen.
„Schmidtchen, ist das schön, mit dir zu schleichen…“

Das war einmal ein Hit und allseits sehr beliebt.
Ich denke, daß es heute auch noch Schmidtchens gibt.
Zumindest gibt es Schleicher, leise, kaum zu sehen,
die aus dem Boden wachsen, hinter einem stehen.
Sie fürchten sich, daß man was sagt oder auch tut,
was sie nicht wissen – das bringt sie dann in Wut.
Sie schüren Angst, sorgen für schlechtes Gewissen,
weil sie die Oberhand behalten wollen oder müssen.

Man darf sich nicht ärgern. Das wäre doch schlecht.
Einem ollen Schleicher macht man’s sowieso nie recht.
Für seine Überlegenheit und für sein Wohlbefinden
muß er auf jeden Fall doch alles stets ergründen.
Warum, weshalb, weswegen – wie auch immer,
denn ein oller Schleicher ändert sich doch nimmer.
Am besten ist, man ignoriert ihn. Denkt sich munter:

„ Ach, schleich mir doch den Buckel runter!“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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