Tief im Wald im dunklen Forst

Tief im Wald im dunklen Forst,
wohnt der Förster. Der hieß Horst.
Seine Frau, die hieß Louise.
Sehr verliebt war er in diese.
Sein Hund, ein Dackel, Waldemar
schon etwas reif an Jahren war.

Der Förster hatte Kind und Kegel,
und hatte es nicht weit bis Tegel.
Dort, wo der Wald ein Ende hat,
beginnt auch gleich die große Stadt.
Es gab auch einen schönen See,
der lag nun gleichfalls in der Näh‘.

„Wir wohnen hier im Paradiese“
sprach Horst mitunter zu Louise.
„Ich weiß“ sagt sie und sät Salat,
weil sie auch noch ein Gärtchen hat.
Radieschen wachsen dort und Bohnen.
Die Ernte wird sie reich belohnen.

Siegbert, der Fischer, kam vorbei.
Besonders häufig war‘s im Mai,
wo er den Weg zu Försters fand.
Stets hielt ’nen Fisch er in de Hand,
den die Louise braten mußte.
In Butter und mit goldener Kruste.

Im Herbst ging Horst dann Pilze suchen
und Blaubeeren für den Blaubeerkuchen.
Den Siegbert er damit entzückte
und oft ihm auf die Bude rückte.
Dann tauschten sie Erfahrung aus.
Der Förster kam recht spät nach Haus.

„Mir reicht es“ sprach empört Louise.
Sehr ärgerlich wurd‘ nämlich diese.
„Geh‘ angeln, fang uns einen Fisch.
So schwierig ist dies sicher nich.
Andauernd kommt der Kerl hier her.
Ich hab genug! Ich kann nicht mehr!“

Des Fischers Freundin Edeltraut
dem Frieden nicht so richtig traut,
und spricht: geh selber in den Wald.
Paar Pilze find‘st du sicher bald,
und auch Blaubeeren kannst du suchen.
Ich back uns dann den Blaubeerkuchen.“

Nun saß der Horst im Angelkahn.
Ein Fisch biss lange Zeit nicht an.
Bis eines Tages es dann klappte.
Ein dicker Fisch den Haken schnappte.
Da zog er nun mit aller Kraft
und hat es leider noch geschafft,

den Angler aus dem Kahn zu ziehn.
Der flog sogleich ins Wasser rin.
Man konnte ihn jedoch noch retten.
(Er konnt‘ nicht schwimmen, woll‘n wir wetten?)
Das hat se jetzt davon, Louise.
Gut pflegen muß ihn nun halt diese.

Auch Siegberts Freundin, Edeltraut
erwartungsvoll nach diesem schaut.
Zwei Körbchen trägt er sicher heim.
S‘ wer‘n Blaubeeren und Pilze sein.
Doch leider dies ein Irrtum war.
Es wurde auch sofort ihr klar,

als man den Siegbert heim nun brachte.
Der keinen guten Eindruck machte.
Denn eine Rotte wilder Schweine
(ein Schwein kommt selten ja alleine)
griff an. Und hat ihn übel zugerichtet.
Sein Selbstvertrauen ist vernichtet.

Zumindest noch für einige Zeit.
Selbst Edeltraut vermeidet Streit.
Das Sprichwort kennen ja die meisten:
SCHUSTER BLEIB BEI DEINEM LEISTEN.
Die Helden leiden und genesen.
Bald ist‘s ein böser Traum gewesen.

Nicht lange hin, dann wird‘s wie‘s war
und geht so fort dann Jahr für Jahr.
Man wartet drauf mit Ungeduld.
(Die Weiber sind an allem schuld.)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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