Heidebilder

Heidebilder (1)

Tiefeindamkait spannt weit die schönen Flugel
weit über stille Felder aus.
Wie ferne Küsten grenzen graue Hügel,
sie schützen vor dem Menschengraus.

Im Frühling rauscht in mitternächtiger Stunde
die Wildgans hoch im raschen Flug.
Das alte Gaukelspiel: in weiter Runde
hör ich Gesang im Wolkenzug.
,
Verschlafen sinkt der Mond in schwarze Gründe,
beglänzt noch einmal Schilf und Rohr.
Gelangweilt ob so mancher holden Sünde
verläßt er Garten, Wald und Moor.

***
Heidebilder (2)

Die Mittagssonne brütet auf der Heide.
Im Süden droht ein schwarzer Ring.
Verdurstet hängt das magere Getreide,
behaglich treibt ein Schmetterling.

Ermattet ruh‘n der Hirt und seine Schafe.
Die Ente träumt im Binsenkraut.
Die Ringelnatter sonnt in trägem Schlafe
unregbar ihre Tigerhaut.

m Zickzack zuckt ein Blitz, und Wasserfluten
einstürzen gierig feuchtem Zelt.
Es jauchzt der Sturm und peitscht mit seinen Ruten
erlösend meine Heidewelt.

***
Heidebilder (3)

Die Sonne leiht dem Schnee das Prachtgeschmeide.
Doch ach! Wie kurz ist Schein und Licht.
Ein Nebel tropft, und traurig zieht im Leide
die Landschaft ihren Schleier dicht.

Ein Häslein nur fühlt noch des Lebens Wärme.
Am Weidenstumpfe hockt es bang.
Doch kreischen hiungrig schon die Rabenschwärme
und hacken auf den sichern Fang.

Bis auf den schwarze Schlammgrund sind gefroren
die Wasserlöcher und der See.
Zuweilen geht ein Wimmern, wie verloren,
dnn stirbt im toten Wald ein Reh.
***
Tiefeinsamkeit, es schlingt um deine Pforte
die Erika das rote Band.
Von Menschen leer, was braucht es noch der Worte,
sei mir gegrüßt, du stilles Land.

Detlev von Liliencron (1883)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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