Alte Geschichten

Der Abend dämmert, es wirbelt der Wind
den Schnee von dem hohen Däche,
Großmütterchen sitzt am warmen Kamin
mit den Kleinen im warmen Gemache.

„Erzähl und wad, Großmütterlein!“
„Recht gern, ihr narrischen Dinger,
iihr müßt nur brav und bescheiden sein!“
Und mahnend hebt sie den Finger,

Dann fängt sie an: „Es war einmal….
und die Kinder, die lauschen und lauschen.
Sie hören das Bellen des Hofhundes nicht
und des Sturmes Zischen und Rauschen,

und nicht das Schlagen der Schwarzwalduhr
und der Stunde rasches Verinnen;
sie sitzen und horchen mit Mund und Ohr,
versenkt in Träumen und Sinnen.

Großmutter weiß der Geschichten viel
aus fernen, vergangenen Tagen,
von Riesen und Zwergen, von Burgen, von Seen,
seltsame Märchen und Sagen;

von Nixen und Elfen, von Rübezahl,
Musikanten und Lumpengesindel,
und wie Dornröschen im Schlaf versank,
gestochen von giftiger Spindel.

Vom Weibe, das tanzt in feurigen Schuh‘n,
von sieben Raben und Schwaben,
von Aschenbrödel und Drosselbart,
und Hans, den glücklichen Knaben;

von der großen Stadt, tief unter der See,
Vineta, der schlummernden Keiche,
auch wohl zum Schluß von Meister Till
schalkhafte, lustige Streiche.

Großmutter weiß der Geschichten so viel
als Blätter auf Büschen und Bäumen;
die Kinder lauschen mit Ohr und Mund
versenkt in Sinnen und Träumen.

Und die kleine Marie – sie lächelt und schläft;
still wird es im trauten Gemache,
und der Wind schläft auch, und die Sterne steh‘n
hell über dem hohen Dache.

(Dieses schöne Gedicht ist
von Friedrich Wilhelm Weber)

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Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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