An einem Hang auf grüner Wiese

An einem Hang, auf grüner Wiese
stand eine Kuh, und die hieß Liese.

Sie blickte hin und wieder einmal in die Runde,
und so verbrachte sie oft Stund’ um Stunde.
Mitunter legte sie sich auch mal hin ins grüne Gras.
Sie dachte ja nicht viel. Nur mal an dies oder an das.
Um sie zu melken kam der Bauer so zweimal am Tage,
und das empfand sie angenehm, das war ja keine Plage.
So lebte sie tagein, tagaus gemütlich hin vor sich.
Der Bauer hatt’ nur eine Kuh, mehr brauchte er ja nich.

Auf fernen Weiden sah sie andre Kühe steh’n und liegen.
Gleich nebenan hingegenüber grasten ein paar Ziegen.
Jedoch die Ziegen nicht besonders störten,
schon, weil sie ihrem Bauern auch gehörten.
Ein alter Hund kam ab und zu vorbei, nach ihr zu schauen.
Er humpelte und sah auch schlecht, sonst wär’ er abgehauen.
Gern hätte er noch einmal ordentlich einen draufgemacht,
jedoch, zu diesem Unternehmen fehlte es ihm jetzt an Kraft.

Nun kam er manchmal zu der Kuh, der Liese,
dann lagen sie gemeinsam auf der Wiese.
Er grüßte WAU, sie grüßte MUH,
dann schwiegen sie und hörten zu.
Man konnte ja nun wirklich auch die beiden
je nach dem, bedauern oder halt beneiden.
Sie hatten eine Menge Zeit und Ruh,
um einfach nichts zu machen, Hund und Kuh.
Man denkt, daß sie nicht miteinander konnten reden
(das wäre aber auch kein Nachteil unbedingt für jeden).

Der Hund zog müde hoch die Augenlider,
die Kuh plinkerte zurück, und wieder
gingen Gedanken emsig zwischen Beiden her und hin,
mal philosophisch, manchmal ohne Sinn.
Der Hund konnt’ viel berichten, interessant,
er hatte viele Menschen schon gekannt.
Die Kuh hört gerne zu, hat auch mal Fragen,
der Hund wird, wenn er’s weiß, die Antwort sagen.
Und ist nichts mehr zu sagen, na dann bitte,
dann geht er jetzt zurück in seine Hütte

Der Kuh etwas zu sagen muß der Hund nicht muhen,
er kann ganz ruhig neben ihr im Grase ruhen,
die Kuh hat nicht so, wie der Hund, gebellt,
und trotzdem hat sie ihm schon viel erzählt.

Der Mensch denkt drüber nach und wundert sich:

„Ja, nischt Jenauet weeß man eben nich!“

So sprach man früher in Berlin
Da liegt bestimmt was Wahres drin.

L E W I

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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2 Antworten zu An einem Hang auf grüner Wiese

  1. netti87 schreibt:

    Sehr cool!😊

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