Der Herr Hans Joachim Krause (1)

Der Harr Hans Joachim Krause
kam heut‘ abend nicht nachhause.
Er rief daher die Gattin an,
daß er heut’ nicht kommen kann.
„Liebling, mach dir keine Sorgen,
doch ich komm‘ erst übermorgen.“
Rechtzeitig Bescheid zu sagen
vermeidet immer dumme Fragen.

Her Krause bekam nämlich einen Tip.
Der veranlaßte ihn nun zu diesem Trip
in eine Gegend, leicht berüchtigt;
von wenigen Personen nur besichtigt,
weil Seltsames sich dort zutragen sollte.
Was Herr Krause nun persönlich sehen wollte.
So fuhr er ängstlich, doch mit frohem Mut
und dachte still bei sich: es wird schon gut.

Der Weg war weit, es wurde finster.
Am Waldrand leuchtete der Ginster.
Und als der Wald dann bald zu Ende war,
stand da ein Gasthaus. Wunderbar!
Er aß ein Abendbrot, sehr kräftig,
dann mußt’ er gähnen, und zwar hefrig.
Er hatte ja auch noch etwas getrunken
und ist vor Müdigkeit ins Bett gesunken

im Zimmer, das er dort genommen hat.
Er schlief traumlos, schnarchte und war satt.
Kaum war der Tag dann angebrochen,
ist er gleich aus dem Bett gekrochen
um schnellstens sich von hier zu trennen.
Er durfte nicht zu lange pennen.
Zwei Brötchen und noch eine Tasse Tee,
und dann gleich – ab die Post – , herrjehmineh.

Herr Krause schrieb Artikel für das ABENDBLATT,
das immer Platz auf Seite Eins für Sensationen hat.
Dafür gab’s hin und wieder Honorar. Frau Krause
wartete aufs Geld voll Ungeduld bereits zuhause.
Krause hörte nun von einem, dem er blind vertraute
(obwohl der ihm schon manchen Coup versaute),
daß weit im Norden, tief im Wald, auf einer Lichtung
(tatsächlich, keine Fantasie und keine Dichtung)

Unglaubliches auf den Betrachter harrt.
Fast die Begegnung, wie gesagt, der Dritten Art.
Obgleich man fürchten muß, man träfe dort auf Wachen,
man sollte mutig sein und sich daraus nichts machen.
Es gibt ja reichlich Phänomene, nun mal ehrlich.
Und manche davon sind durchaus gefährlich.
Obwohl nun Krause tief im Innern bebte,
weil er nicht ahnte, was er demnächst hier erlebte,

trieb ihn die Neugier dicht zum Orte des Geschehens.
Er schlich sich nah heran, und unversehens
durch einen Fehltritt fiel er schmerzhaft auf die Nase.
Da lag er nun, nur leicht verwirrt, im grünen Grase.
Morgennebel wallten, schwebten schleierhaft empor;
kamen Krause in dem Grase ebenfalls sehr komisch vor.
Die Stille konnte man bedrohlich fast empfinden.
Jetzt mußte sich der Krause endlich überwinden

und mutig näher treten, Dieses selt’ne Ding beäugen
und seine Leser von den Tatsachen auch überzeugen.
Ja, Krause wagte es. Er tat den mut’gen Schritt voran,
weil die Geschichte sonst nicht weitergehen kann.
Er sah’ (noch einmal hin) und dann, auf einmal: Bumm!!!
Der Hans-Joachim Krause fiel ganz einfach um.
Das alles war zu viel für ihn und auch nicht zu verstehen.
Hilfreiche Leute halfen ihm und stützten ihn beim Gehen.

Zurück fuhr er dann schnellstens ab nachhause.
Am Rasthaus machte er nur eine kleine Pause.
Beim ABENDBLATT konnt’ man seine Ankunft kaum erwarten
und wollt voll Ungeduld den neuen Leitartikel starten.
Erschöpft fuhr er dann endlich heim, er konnt’ nicht mehr.
Die Gattin stellte keine Fragen, denn sie sorgt sich sehr.
Dann plumpste rückwärts er ins Bett, schlief halb im Stehen
und hauchte nur noch matt:

ICH HAB’ DEN ERLKÖNIG GESEHEN !!!

(Automodell)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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