Der Herr Hans Joachum Krause (2)

Neues vom Abendblatt….

Der Herr Hans-Joachim Krause
kommt heut’ wieder nicht nach Hause.
Er ruft deshalb die Gattin an,
daß er heut’ nicht kommen kann.
Rechtzeitig Bescheid zu sagen
vermeidet, sich womöglich Klagen
von der Hausfrau anzuhören,
die das Eheleben stören.
So sagt sie nur: „Is gut. Ich weiß Bescheid.
Paß auf dich auf. Laß dir nur Zeit!“
In vielen Fällen ist die Ehe reine Harmonie.
Man sieht sich meistens ja so gut wie nie.

Krause sitzt nun wartend in der Redaktion.
Aber gleich hört er den neuen Auftrag schon.
Auf mysteriöse Weise wäre eine Kuh verschwunden.
Sie wird nun fieberhaft gesucht. Seit ein paar Stunden.
Und Krause hat doch auch Gespür, Intuition.
Wenn einer überhaupt: der Krause klärt das schon.
So winkt er noch der Sekretärin. Und unversehens
begibt er sich sogleich ins Zentrum des Geschehens.
Das war an einem Stadtrand, ländlich schon die Gegend.
Trockenwäsche, auf der Leine sich bewegend,
hängt in den Gärten. Apfelbäume, bunte Blumen,
Wiesen, Felder. Ein paar Hühner picken Krumen.

Eine ländliche Idylle.
Auf der Straße spielt ein Kind.
Spielt so ganz für sich alleine,
weil sie weggezogen sind,
die im Nachbarhause wohnten.
Wollten wieder in die Stadt,
die ja doch für junge Leute
meistens mehr zu bieten hat.
Krause kommt mit seinem Auto
eben langsam angetuckert,
weil seit ein paar Augenblicken
etwas an dem Fahrzeug muckert.

„He, Kleine“ ruft er munter nach dem Kind,
„kannst du mir sagen, wo ich eine Werkstatt find?“
„Ja. Bei meinem Pappa, hier gleich nebenan.
Die Karre macht’s nich mehr. Die mußte schieben, Mann!“
Das sieht der Krause ein und schiebt und schiebt.
Die Kleine ihm verbale Hilfestellung gibt.

Der Meister steht schon vor der Tür und wartet.
„Erst mal probieren, ob er wieder startet!“
Er startet nicht. Auch gut. Wir werden erst mal sehen.
Der Meister wird von Autos ja sicher was verstehen.
Und Krause, der nun Hunger spürt, sieht: hia
gibt es sogar am Straßenende eine Pizzeria.

„Ich mag auch gerne Pizza, ich komm’ mit“,
so spricht die Kleine. Mittlerweile nun zu Dritt,
weil den Meister plötzlich auch der Hunger quälte,
kehrten sie bei „Mario“ ein, und wo Krause nun erzählte,
weshalb es ihn in diesen kleinen Ort verschlug.
Man wurde aus der Story nicht so richtig klug.
Beim Essen wurde munter schon mal spekuliert,
was den Krause in die Gegend hier geführt.
Der machte aber wirklich keinen Hehl daraus.
Wenn man nicht fragt, kriegt man ja auch nix raus.

Die Kuh, die mittlerweile schon bekannte Liese,
stand mutterseelenallein am Hang auf einer Wiese,
wo sie, falls hungrig, frisches grünes Gras verzehrte
und sich damit ja vorzugsweise gut ernährte.
Gelegentlich wurd’ sie besucht von einem großen Hunde.
Der blieb dann bei ihr sitzen, meistens so für eine Stunde.
Es war nicht üblich, daß die Liese ihre Weide mal verließ,
ganz selten, daß sie eine Latte mal vom Zaune stieß.
Der Bauer, dem die Kuh, die Liese demnach, nun gehört,
war durch ihr seltsames Verschwinden sehr verstört.
Er klagte über schlechte Menschen unverhohlen.
Man hatte ihm die Liese, seine Kuh, ja nun gestohlen.

Als man gesättigt, etwas faul, nun das Lokal verließ,
wo Krause in Gedanken schon auf Widersprüche stieß,
ging nun der Meister an die Arbeit (erst mal schaun..)
und Krause ging, sich gründlich anzuseh‘n den Zaun,
der Lieses Wiese trennte von den anderen Weiden.
Man mußte diesbezüglich jede Aufregung vermeiden.
Der Krause wollte seine Mütze in den Nacken schieben ,
doch leider war sie in der Redaktion geblieben.
Nun mußt’ er ohne die gewohnte Hilfe denken.
Die Mütze half gewöhnlich, ihn nicht abzulenken.
Auf einem Stein saß er und kombinierte, so wie Nick
Knatterton, mit dem berühmten scharfen Blick.

Die Abendsonne sank. Die Augen schmale Schlitze,
so griff sich Krause an die nicht vorhandene Mütze.
Dann lief er langsam nun retour und wollte fragen:
He, Meister – was is los mit meinem Superwagen?
Der Wagen konnte wieder fahren, also bitte.
Krause zahlte, dankte, grüßte, fuhr ab durch die Mitte,
durchquerte diese ländlich triste Gegend,
fand seinen Aufenthalt nicht unbedingt erregend.
Er sah die Lotti noch am Straßenrand, ihm winken
und die Sonne hinterm Horizont versinken.
Kurz haltend, sprach er tröstend zu der Kleinen:
„du mußt nicht traurig sein und auch nicht weinen,

es ziehen ganz bestimmt auch wieder neue Leute
mit Kindern her. Vielleicht erst morgen, nicht mehr heute.“
„Meine Freunde sind nun weg schon seit zwei Tagen,
haben alles mitgenommen in nem großen Umzugswagen.
Ja, morgen ziehen hier wieder neue Leute ein.
Die haben Kinder, aber die sind noch ganz klein!“
„Aha, aha“ sagt Krause und greift sich an seine Mütze,
die er zur Zeit nicht aufhat; und die Geistesblitze
durchdringen sein Gehirn bereits in Windeseile
rasend und schnell, als wären es göttliche Pfeile.
Es dunkelt nun schnell, er muß sich beeilen.
Er kann ja hier auch nicht ewig verweilen.

Er führte noch zwei wichtige Telefonate,
eins mit der Gattin, eins mit der Renate,
die hatte seine Denkermütze bestimmt deponiert,
sonst fliegt sie noch rum und wird ruiniert (die Mütze)!
Denn Renate, die Seele der Redaktion
kannte von allen die Macken schon.
Nachdem die Sache mit der Mütze nun geklärt,
sagt er: Notieren Sie….. wie sich das so gehört.
Dann telefonierte er noch mit dem Polizeirevier,
fuhr bis zur nächsten Kneipe, trank zwei Bier,
nahm sich ein Zimmer noch im „Weißen Elefanten“,
wo sie die Story mit der Kuh nun auch schon kannten.
Nach einem wirklich ganz pompösen Abendessen
sank er erschöpft ins Bett. Und unterdessen

rollte ein Möbelwagen durch die helle Nacht,
denn der Vollmond hatte seine Lampe angemacht.
Auch Sternlein plinkerten sich zu, es war zu schön.
Manch einer, der noch unterwegs war, der blieb steh’n

Hans Joachim sah bewundernd nun hinauf zum Firmament.
Wer im Bett jetzt schläft, so was ja nun nicht kennt.
Beim Frühstück, gut und reichlich, dachte Krause:
in ein paar Stunden bin ich wieder ja zu Hause.
Die Sonderausgabe nun von seinem „Abendblatt“ ,
das immer Platz auf Seite 1 für Sensationen hat,
wußte schon zeitig zu vermelden; Wunderbar!
Verschwundene Kuh, geheimnisvoll, ist wieder da!

Wie dies geschehen, wurde nicht bekannt gegeben.
Geheimnisvolle Dinge gibt es ja genug im Leben.
Ein Schweigen über diesen Fall verband die Leute.
Mal wird man sicher drüber reden. Aber heute
wollt’ man darüber wirklich keine Andeutungen machen.
(Denn das ist unser Fall, darüber woll’n wir selber lachen)
Und Liese, denn sie war ja keine dumme Kuh, nicht wahr,
träumte von ihrem Abenteuer auch noch Jahr für Jahr.
Einmal im Leben muß man auch ein Abenteuer wagen.
Dann kann man sich erinnern in den fernen Tagen.
Man genießt dann das Erlebte, ganz entspannt.
Ich hab’ auch mal eine Kuh gekannt………

LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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