Man muß hier erst mal Ordnung schaffen….

Man muß hier erst mal Klarheit schaffen.
Frieden schaffen ohne Waffen.
„Mein lieber Freund und Kupferstecher,
du wirst mir langsam immer frecher.
Du flitzt hier rum auf meiner Fichte
mit Deinem Buchdruckergesichte.
Du hast hier einfach nichts zu suchen –
Nun hau schon ab, zieh‘ auf die Buchen.“

Der Borkenkäfer Reginald
lebte in einem Fichtenwald,
wo er vom Abend bis zum Morgen
gemächlich konnt‘ für Nachwuchs sorgen.
Es war kaum zu vermeiden,
die Fichten mußten leiden.
Der Buchdrucker wollt nicht verzichten,
er lebte nämlich gern auf Fichten.

„Ich lebe aber nicht so gern auf Buchen.
Der Buchenborkenkäfer würd‘ schön fluchen,
denn er lebt lange schon in Buchenrinde
mit der Familie, Kind und Kindeskinde.
Der ganze Wald steht hier voll Fichten,
da werd‘ ich wegen dir nicht flüchten.“
Und Reginalds Gesicht wurd‘ immer schiefer:
„Na dann versuch‘s doch mal auf einer Kiefer.“

Der kleine Waldgärtner saß rum auf einer Kiefer,
und sein Gesicht wurde auch langsam immer schiefer,
denn er konnte diesen Streit ja kaum verstehen.
Man sah im Wald ne Menge Fichten stehen,
deshalb muß doch der Buchdrucker nicht fluchen.
„Rauf auf ´ne Fichte, laß die Kiefern und die Buchen.
Doch dieser dumme Kerl sah plötzlich Eichen
und wollte jene nun in Windeseile gern erreichen.

Und wie er übern Waldboden so flitzte
merkt er zu spät, daß aller Streit nichts nützte.
Ein Mensch ging langsam durch den Wald
und kam gemächlich näher bald.
Und nun, mit einem schweren Tritt
nahm er paar Fichtennadeln mit
und einen Borkenkäfer, der erbebte,
weil er an einer Stiefelsohle klebte.

Da Könnt’a mal sehen: Nicht mal die Käfer
im Wald könnenen ohne Gesetze und Bevirmundung
leben. Immer schön, wie es sich gehört. LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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