Die drei Gesellen

Weil es gefallen hat noch eine Nachricht für
das Skandalblättchen. – von Erich Mühsam.

Die drei Gesellen

Es war einmal ein Zimmergesell,
ein arger Gesell, ein schlimmer Gesell,
der ließ kein Weib in Ruh‘.
Er nahm, was in den Weg ihm kam,
ob grad, ob krumm, ob heil, ob lahm,
und wär‘s ein Holzgestell.

Es war einmal ein Bäckergesell,
ein frecher Gesell, ein kecker Gesell,
und aller Mädchen Freund.
Ob schwarz, ob blond, ob rot, ob braun,
er brauchte sie nur anzuschaun,
sie kamen auf der Stell.

War beider Freund ein Brauergesell,
ein kluger Gesell, ein schlauer Gesell,
doch mocht‘ ihn keine Maid.
Setzt eine er sich in den Kopf,-
sie hängt – verloren Malz und Hopf!-
ihm um das Narrenkleid.

Und war da eine Wäschemammsell,
eine munt‘re Mamsell, eine fesche Mammsell,
die liebten alle drei.
Der Zimm‘rer hat sie sich geholt,
den Bäcker hat sie selbst geholt,
beim Brauer lacht sie hell:

„Was fällt dir ein, du dummer Gesell,
du öder Gesell, du krummer Gesell,
wirst nimmermehr mein Mann.
Du hast ja Warzen im Gesicht
und einen Wams, – das mag ich nicht.
Geh‘ heim und troll dich schnell!“

Da sprach der Brauer: „Warte, Mamsell,
du bis mir keine zarte Mamsell,
wirst doch noch meine Frau.“
Und ging nachhaus und braut ein Bier,
das wär‘ zu stark gewesen schier
dem Teufel in der Höll.

Dem Zimm‘rer tät er winken: „Gesell,
komm her zu Bier und Schinken, Gesell!“
Den Bäcker rief er auch.
Drauf säuft er die zwei Freunde ein.
Verschliefen jeder drei Stelldichein
bei ihrer Wäschemammsell.

Die kam gerannt: „Ach Brauergesell!
Ich bin gar sehr voll Trauer. Gesell!
Komm her und sei mein Schatz!“
Da liebten die beiden sich himmelhoch.
Der Zimm‘rer, der Bäcker, die schnarchten noch
besoffen auf ihrem Fell.

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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