Das Warzenschwein

Zu Anfang war‘s noch ziemlich klein,
ein Baby halt, das Warzenschwein.
Ein Knabe war‘s; man mußte suchen
‘nen Namen: Eberhard wurd er gerufen.

Jedoch die Warzenschweineschwestern
sehr gern mal über‘n Bruder lästern.
Er macht sich aber gar nichts draus.
„Du siehst ja so wie Pappa aus!“

Die Schwestern kriegten einen Schreck
und guckten auch gleich wieder weg,
denn Eberhard wollt‘ keinen Streit:
„Sehr euch mal an, die Ähnlichkeit

mit Mamma ist ja sehr gut zu verstehen.
Die Tatsachen sind kaum zu übersehen.“
Nicht jedem ist in seinem Erdenleben
ein Maß an Schönheit mitgegeben.

Man muß so bleiben, so ein Mist,
wenn‘s auch mitunter schmerzlich ist.
Sucht sich der Zebrahengst mal eine Frau,
sucht er doch keine Warzenschweinesau.

Zu fressen suchen sie sich, keine Frage
Wurzeln und Knollen, also nur am Tage,
und nachts da ruhen sie sich aus in Höhlen,
weil die Bewohner nachtsüber dort fehlen.

Das sind die Erdferkel, die jagen in der Nacht.
Die haben für die Schweine eben Platz gemacht.
Frühmorgens kommen sie dann satt zurück
und sagen zu den Schweinen: „rückmalnstück“,

„Ach nö“ sagen dann Jene zu den Solchen ,
„jetzt woll‘n wa mal durch die Savanne strolchen.“
In diesem Falle: alles wohl geregelt. Kein Beschiss.
Die Natur schuf einen wirklich guten Kompromiss.

Als Warzenschwein, ob jung, ob alt, da haste
am Ende deines Schwanzes eine Quaste.
Mußte türmen,steht der Schwanz steif in die Höh‘,
daß ein jeder ihn auch weithin schon mal seh‘

Diese Fluchtverhalten hat ihm über Nacht
auch einen Spitznamen noch eingebracht.
„Antenne Afrika“ wird es genannt,
kaum ist es einmal flüchtend weggerannt.

Es ist auch tapfer und hat keine Bange.
Wird es mal angegriffen, fackelt es nicht lange;
jagt selbst dem Leoparden einen Schrecken ein.
Schön ist‘s ja nicht, so‘n Warzenschwein.

Da rennt sogar der Leopard schnell weg.
Kann sein, vor Angst. Oder vor Schreck?

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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2 Antworten zu Das Warzenschwein

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