Das Wasser räuscht

Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll,
ein Fischer saß daran…
und fragte sich: „Wat ist denn nu?“
(Ein Dampfer legt in Tegel an..)

Er hatte schon ne ganze Weile dagesessen
und aus der Thermoskanne Tee getrunken,
er hatte seine Stullen eben aufgegessen,
war satt und in Gedanken schwer versunken.

Man konnt‘ ihn eigentlich nicht Fischer nennen,
nein, Angler wäre wohl die bessere Beschreibung.
Den Unterschied darf man ja nicht verkennen,
und fehl am Platze wäre diese Übertreibung.

Die Fische kamen heut’ in diese Gegend nicht,
sie wählten einen anderen Ort, etwas entfernt.
Der Angler machte ein verdrießliches Gesicht,
er hatte also wieder etwas wichtiges gelernt:

Will man angeln oder will man Fische fangen,
dann muß man erst mal seh’n, wo welche sind.
In diesem dreckigen, ölverschmierten Wasser
sind wirklich keine. Das weiß doch jedes Kind.

Na ja, der Angler wußte es auch ganz genau.
Er wollt‘ die kleinen Fischlein gar nicht fangen.
Nur in den Ohren lag ihm ständig seine Frau;
zu frischem Fischgericht wollte sie gern gelangen.

Der Tag schritt langsam seinem Ende zu,
der Dampfer war vertäut; der Angler packte ein
und dachte: ,meine Frau gibt einfach keine Ruh.
Muß rechtzeitig beim Fischhändler noch sein.‘

Zum Abendbrot hatte er zwei Aale mitgebracht.
Es ist sehr wichtig oft, Erwartung zu erfüllen.
Die Gattin hat befriedigt und entzückt gelacht,
man konnte nun den Appetit genußvoll stillen.

„Det Angeln,“ sagt die Hausfrau dann zufrieden,
„det is man eben nischt für Phillesophen.
Vor‘t janze Denken vajessen se de Fische
und jeh’n abends schnell noch welche koofen!“

Es gibt ja sehr viel Wasser in und um Berlin,
da sieht man überall geduldig Angler sitzen,
die werfen meistens ihren Fang gleich wieder rin,
und die Fischlein können in die Freiheit flitzen.

Die Muße und die Ruhe; ein seltenes Geschenk.
Entspannung und Erholung in der großen Stadt.
Die doch mit kilometerlangen und so stillen Ufern
auch Platz für eine Menge passionierter Angler hat.

Für jeden winkt dann mal das große Anglerglück,
und an der Angel zappelt nun ein dicker Fisch,
dann wird auf jeden Fall ein Festmal vorbereitet
und er kommt wie erwartet auf den Mittagstisch.

(Herr Ober, für mich mit Dillsoße, biite)

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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