Selbst ist der Mann

Nun ist‘s schon wieder Wochenende.
Der Eberhard spuckt in die Hände
und schleppt die Latten und die Steine.
Denn alles macht er ganz alleine.

Im Gärtchen schuftet seine Frau.
Auf Ordnung hält sie sehr genau.
Ein Kräutlein, das nicht hingehört
wird ausgerupft und gleich zerstört.

Kohlrabi wachsen und Radieschen,
Ringelblumen, Fleißiges Lieschen.
Margeriten, Grünkohl, Dill,
was man halt so braucht und will.

Ständig wächst das kleine Häuschen;
Eberhard macht kaum ein Päuschen.
Auf die Veranda, ganz aus Holz,
ist er auch ganz besonders stolz.

Den Daumen hat er sich verletzt
als er die Fenster eingesetzt.
Und zum größten Überdruß
fiel ihm der Hammer auf den Fuß.

Das Dach ist auch schon isoliert
und nach und nach ist ausgeführt,
von dem man es schon länger wußte,
daß man‘s noch mal ändern mußte.

Elektrisch Licht ist auch gelegt,
der Bauschutt längst schon weggefegt.
Die Wasserleitung angeschlossen.
Sträucher, Bäume auch gegossen.

Und endlich nun, auf eigner Scholle
sind glücklich Eberhard und seine Olle.
Da lädt man schon mal nen Kollegen ein.
Das Werk will eben auch bewundert sein.

Die Sonne scheint; s‘ weht leichter Wind.
Am Sonntag steht mit Frau und Kind
Kollege Reinhard vorn am Zaum,
um sich das Häuschen anzuschaun.

Erfreut begrüßt man nun die Gäste
und räumt vom Tische schnell die Reste,
deckt neu für Kaffee, Sahne Kuchen.
(Sie kommen schließlich, uns besuchen.)

Die Führung findet dann auch statt.
Stolz, was man so geschaffen hat
nimmt Eberhard für ne Sekunde
auch mal die Pfeife aus dem Munde.

Sie war inzwischen ausgegangen
und hatte kalt herumgehangen.
Er klopft sie aus, stopft sie von neuem,
um sich auf den Genuß zu freuen.

Kollege Reinhard blickt verwirrt
(und zweifelt, ob er sich nicht irrt)
auf‘s kleine, aber hübsche Haus.
Windschief sieht alles leider aus.

„Allet selbst jezimmert und jebaut.
Det hat mir keener wirklich zujetraut.“
„Hätt‘ste nicht n‘ Architekten fragen sollen?“
„Bei den Honoraren, die die haben wollen?

Für mich war det doch keene jroße Sache.
Weil ick immer allet janz nach Schnauze mache!“

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s