Ein Rätsel

Wenn man’s von allen Seiten recht betrachtet,
so ist da etwas Wunderbares doch entstanden;
ob nur durch Zufall oder Planung mit Bedacht,
genaue Kenntnis ist darüber nicht vorhanden.

Vielleicht, auf lange Sicht mit höherem Ziele,
war die Vollendung einstmals ernstlich angestrebt;
vielleicht rief Jemand dann begeistert aus:
„Ja, es sieht gut aus, ist gelungen und es lebt!“

Behütet nun in einem wunderschönen Garten,
wo es vor Unbill und Gefahren war verschont,
wurde ein bißchen noch gefeilt an der Vollendung,
ansonsten hat es gut gelebt und gut gewohnt.

Es war auf wunderbare Weise auch gelungen,
ein großes Speicherungsorgan ihm zu verpassen,
zum größten Teil war es vollständig ungenutzt.
Man wollte dies getrost der Zukunft überlassen.

Nun mußte man natürlich auch noch überlegen:
was nützt uns denn davon ein einziges Exemplar.
Soll man den Versuch andauernd wiederholen?
Darüber hin verstreicht doch wieder Jahr um Jahr!

Nun, man entschied: wir wagen es noch einmal!
Wir werden, wenn es schläft, ihm eine Rippe stehlen.
Dann basteln wir daraus ein anderes Exemplar.
Es ist kein Drama, wird ihm eine Rippe fehlen.

So schwer kann es nicht sein, wir wissen ja Bescheid.
Es muß uns nur gelingen, ein Pendant zu schaffen.
So ähnlich, aber eben weiblichen Geschlechts,
dann können sie sich selbst vermehren. Wie die Affen.

Auch dieses Unterfangen führte letztlich zum Erfolg,
ein zweites Exemplar war zur Zufriedenheit geraten.
Das wurde also heimlich nun dem ersten zugesellt.
Mal abwarten, was diese Zwei denn nun so taten.

Das Kollegium war vom Erfolg nun hell begeistert
und nahm das Lob des Vorgesetzten freudig an.
Das war ja wieder mal die passende Gelegenheit,
um zu beweisen, was man alles weiß und alles kann.

„Die sollten sich von anderen Lebewesen unterscheiden,
sie sehen wirklich anders aus, es sind ja keine Tiere.
Sie sind sehr schön geraten, gehen aufrecht hin und her
und benutzen dafür, nicht wie jene, immer alle Viere!

Wir werden ihnen einen Namen geben müssen,
sie werden ja vielleicht einmal sehr viele sein.
Wo nehmen wir so schnell nun einen solchen her?
Mensch Meier, mir fällt augenblicklich auch nichts ein!“

„Das ist doch gut! Wir lassen nur den Meier weg.
Das ist präzise ausgedrückt und leicht zu merken.
Wir haben etwas nun geschöpft, das ist
Laßt jetzt mit gut gekühltem Trunk uns etwas stärken!“

So fing es einmal an, und niemand wird erfahren,
war es mal eine Absicht oder war es eine Laune?
Dies Lebewesen „Mensch“ mit einem großen Hirn.
Was da bisher gespeichert wurde, ja, man staune.

Es sind ja viele tausend Jahre schon vergangen,
da wurde dieses und auch jenes abgespeichert,
und das lief alles auch ein bißchen durcheinander.
Es wurde pausenlos mit neuem Wissen angereichert.

Was da bisher zusammen kam in diesem Speicher,
darüber hat man längst die Übersicht verloren.
Man weiß auch nicht genau, hat er sich selbst
oder ein Anderer ihn im ersten Rausch erkoren,

als „Krone der Schöpfung“, mit besonderen Rechten.
Was es erfahren hat in all den vielen tausend Jahren,
hat wertfrei das Gehirn notiert und abgespeichert
und muß es weiterhin gewissenhaft verwahren.

Hat sich ein Virus in die Software eingeschlichen?
Hat heimlich Jemand das Programm manipuliert?
Es geht doch einfach nicht mit rechten Dingen zu,
wenn gewissenhaft das „Menschsein“ man studiert.

Wieviel Bosheit, Kraft und Fantasie, Brutalität, Gewalt
kann er entwickeln, seine Artgenossen zu vernichten.
Wie grausam denkt er sich verschiedene Methoden aus.
Über die Abscheulichkeiten muß man nicht berichten.

Wer schaut da zu und kann daran sich noch erfreuen
an diesem Schauspiel. So viele grausame Kriege
gab es seit vielen tausend Jahren ohne Unterlaß.
Berge von Toten, Erschlagenen kosteten die Siege.

Und Morde, hinterrücks, brutal, gemein – aus Gier,
aus Hass, aus Rache, manchmal zum Vergnügen.
Man will nicht glauben, daß es wirklich Menschen sind,
die sich um ihre eigene Menschlichkeit betrügen.

Von keiner Tierart hat bisher man uns berichtet,
daß sie im Blutrausch wild vernichtet alles Leben.
Die Schauertaten sind dem Menschen vorbehalten.
WARUM – Es muß dafür eine Erklärung geben.

Es reicht ihm nicht, den Widersacher nur zu töten;
er quält, er foltert, er vernichtet rücksichtslos, brutal.
Das tut er, wie er meint, im Auftrag höherer Mächte.
Die aber schweigen immer, ein um das andere Mal.

Trotz allem: man gehört dazu und ist genau wie sie.
Ich hab die guten Seiten aufzuzählen ja vergessen.
Es ist mitunter schrecklich schwer, ein Mensch zu sein.
Vielleicht hat ja doch alles seinen Sinn. Indessen

woll’n wir die schönen Dinge und das Gute preisen.
Die Tage sind so kurz, die Nächte lang im Winter,
da können wir darüber viele Stunden debattieren,
möglicherweise kommen wir doch noch dahinter.

LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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3 Antworten zu Ein Rätsel

  1. haluise schreibt:

    füllen wir unsere gedankenblasen mit der ENERGIE des FRIEDENS und entziehen auf diese weise die kraft aus dem kriegerischen.
    ganz einfach

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