Michel

Fast schien es schon, er wollt‘ sich regen.
Fast schien‘s, vorüber ist die Nacht;
er fing schon an, sich zu bewegen
und alles rief: er ist erwacht!

Da schwört‘s zum Himmel tausendhändig;
das größte Wunder ist zu schau‘n:
der deutsche Michel wird lebendig!
Gleich wird er wütend um sich hau‘n.!

Doch ach! Verraucht ist die Ekstase
und Nacht ist wieder ringsumher;
man kitzelt Micheln an der Nase.
Und er? – Er sieht und hört nichts mehr.

Und hat er nicht vor wenig Wochen
gesprochen noch ein ernstes Wort?
Ja ja, er hat‘s im Schlaf gesprochen;
jetzt schnarcht er wieder ruhig fort!-

Ein Tucholski des neunzehnten Jahrhunderts könnte man
Adolf Glasbrenner nennen. der1810 in Berlin geboren wurde
und 1876 in Berlin verstarb.

Ein Schriftsteller, Poet und und ein akribischer Chronist !

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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