Der Zirkus kommt

Der Zirkus kommt….! Bunte Plakate kleben
an Zäunen, Mauerecken, Wänden – eben
überall dort, wo noch ein Eckchen frei.
Verkünden: Premiere ist am zehnten Mai,

Dem Zirkus konnte man die große Wiese zeigen.
Bei Herbstwind ließ man dort die Drachen steigen.
Mal sah man Karussels und kleine Buden stehen;
man konnte ab und zu mal auf den Rummel gehen.

Die kleine Stadt, in der die Menschen wohnen,
ist ruhig und beschaulich. Und um Sensationen
zu bestaunen, bietet sich nicht oft Gelegenheit.
Erwartung liegt nun in der Luft. Wann ist‘s soweit?

Die Kinder konnten es mit Mühe kaum erwarten;
glücklich war, wer im Besitz von Eintrittskarten.
Die Erwartung kennt kaum Grenzen. Was kommt jetzt?
Endlich hatte man sich dann auf seinen Platz gesetzt.

Das Licht erstrahlte. Die Kapelle zackig spielte.
Durch den Vorhang jemand in die Runde schielte,
ob alle Plätze ausverkauft. Ob alles vollbesetzt.
Gottseidank, so war‘s. „Na, dann beginn‘ wa jetzt!

Der Direktor kam heraus, im Frack und mit Zylinder;
begrüßte alle herzlich, ganz besonders auch die Kinder.
Gleich ging es los. Es war mucksmäuschenstill.
Nur einen Augenblick, dann folgte fröhliches Gebrüll.

Herausgepurzelt kamen, unter Schreien, unter Lachen
die bunten Clowns,die ihre tollen Späße machen.
Die Schadenfreude war‘s, die in der Hauptsache gefiel,
den Hanswurst hatten sie geärgert, doch es war nur ein Spiel.

Dressuren folgten, edle Pferde, Hunde, Tauben, kleine Affen,
herausgeputzt mit Flitterkram, um sie nun staunend zu begaffen.
Die Löwen und die Tiger sprangen nun durch große Feuerringe,
und ein anderer Artist verschluckte eine scharfe Degenklinge.

Am Hochseil turnten einsam und gekonnt paar schöne Damen,
sie trugen schöne Tricots und hatten auch noch schöne Namen.
Akrobaten und Jongleure zeigten nun, was sie so konnten,
um hinterher sich dankbar dann im großen Beifall sonnten.

Aufregend war, was dort geschah. Und in der Pause
dacht mit Bedauern man, bald geht es wieder ab nachhause.
Elefanten und Kamele, Pferde, Hunde, Papageien
und die kleinen Affen. Die war‘n putzig. Ja, zum schreien.

Musik erklang. Die Vorstellung war leider nun zu Ende.
Begeistert klatscht das Publikum. Es nahm ja fast kein Ende.
Dieses Erlebnis hat ein jeder freudig mitgenommen.
Ganz so schnell wird ja kein Zirkus wiederkommen.

Auf dem Heimweg sind die Kinder alle noch sehr aufgeregt.
Es dauert eine Weile, bis sich die Begeisterung wieder legt.
Tief in der Nacht, wenn alles dunkel ist und still,
hört man von weitem noch vom Tiger das Gebrüll

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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