Sieglinde steht am Gartenzaun

die Sonnenblumen neigen schwer die Köpfe,
im halben Schatten stehen Geranientöpfe,
frisch gegossen. Die Rosenhecke ist gestutzt,
das Fallobst ist bereits gewaschen und geputzt,
die Wege sind geharkt, entfernt die welken Blüten,
die abgefallenen Blätter sind entsorgt in blaue Tüten.

Sieglinde steht entspannt am Gartenzaun;
sie plaudert gern ein Weilchen im Vertrauen
mit ihrem Nachbarn, einem netten Mann, Johannes,
denn was ihr Mann nicht kann, Johannes kann es.
Der weiß Bescheid, kann Antwort fast auf alles sagen
und half schon öfter aus in ganz speziellen Lagen.

Man wird im Garten vor Probleme auch gestellt,
die schafft man möglichst bald dann aus der Welt.
Da ist ein Nachbar mit viel Sachverstand bequem.
Man kann entspannt am Gartenzaune steh`n
und Rat und Hilfe wird einem sofort gewährt.
Gute Nachbarschaft ist wirklich nicht verkehrt.

Blattläuse, Regenwürmer, Ameisen und Fliegen,
dies Getier muß man doch irgendwie besiegen,
doch das hat Zeit. Jetzt macht man eine kleine Pause.
Man will’s ja auch genießen, das gemütliche Zuhause.
Im Sonnenschein liegt es sich gut dort auf der Wiese.
Gleich nebenan, da wachsen Kräuter und Gemüse.

Schön ist ein Garten. Er fordert Liebe und auch Kraft.
Das ist ein glückliches Gefühl, hat man es wieder mal geschafft,
das alles wohl gepflegt, blüht, wächst, reift und gedeiht
man ist versorgt mit allem dann zu jeder Jahreszeit
Man sieht die Blumen um sich her, die Lilien, die Rosen,
die Äpfel werden langsam rot, reif sind die Aprikosen.

Durch das Loch nun in der Beerensträucherhecke,
ganz am End’ vom Gartenzaun, dort in der Ecke
kommt Johannes zu Besuch. Macht ne kleine Stippvisite.
In seiner Hand hält er noch eine wohlgefüllte Tüte,
mit Hähnchen, Pommes, Cola und noch einigem mehr,
und grinst vergnügt: „ das ist dann für nachher:“

Wie man’s betrachtet: Einen Garten muß man pflegen;
das kostet Zeit, man muß sich kümmern, muß ihn hegen,
man darf ihn auch nicht allzu lang alleine lassen,
weil unliebsame Pflanzen sonst schnell Wurzeln fassen.
Hinter jeder Überlegung aber steht der gleiche Schluß:
Wenn etwas werden soll – dann heißt’s: man muß –
man muß – man muß – man muß ………….

LEWI

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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