Präzise

„Hunger?“
„Na klar.“
„Essen?“
“Ach ja.“
„Kartoffeln, Fleisch?“
„Am liebsten gleich.“
„Ein Stündchen nun gedulde dich!“
„Koch schneller, sonst verhungere ich!“
„Es dauert! Sei nicht so verfressen.“
„Ich habe heut‘ noch nichts gesessen!“
„Na, das ist doch nicht meine Schuld.
So übe dich halt in Geduld!“
„Ich gehe jetzt zum „Wilden Eber“.
Hab‘ heut‘ mal Appetit auf Leber.
Bestell zum Nachtisch mir Kompott.
Die Kellnerin ist blond und flott.
Dann fühle ich mich sicher besser.
Ich bin nun mal ein starker Esser!“
„Zu Zweit schmeckt‘s besser. Komm, wir geh‘n.
Ich gehe mit. Du mußt verstehen,
daß ich allein nicht bleiben möchte.
Als Ehefrau hab ich auch Rechte!“
„So komm, weil mir der Magen knurrt.“
„So schnalle enger dir den Gurt.
Du denkst ja wirklich nur ans Essen.
Ach jeh, jetzt habe ich vergessen,
das Küchenfester fest zu schließen.
Ich werde noch mal umkehren müssen.“
„Dann schließe es und auch das Tor.
Inzwischen gehe ich schon vor.“
Dann flitzt er in die „Goldene Gans“.
Da sitzen auch schon Kurt und Hans.
„Ein Eisbein, Sauerkraut und Bier.
Jetzt bleib‘ ich erst ne Weile hier“
sagt er zur Wirtin. Ist entzückt,
denn das Manöver ist geglückt.
Die Ehefrau beim Nachbarn schellt.
„Komm‘ rüber Friedrich, denn die Welt,
vorübergehend ist sie nun im Lot.
Karl-Heinz merkt nichts. Ich lach mich tot!“
Der Gatte in der „Goldenen Gans“
sagt: viel geübt: du siehst, ich kann‘s,
und streicht der Kellnerin Charlott
zwischen Suppe und Kompott
verschmitzt die runden Stellen.
Mal ehrlich: was gibt‘s hier noch zu erzählen………

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
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