Der Heimweg

Die Nacht war finster und es war kein Mond zu seh‘ n,
man sah am Himmel kaum ein einz’ges Sternlein steh’n.
Die Bäume ihre kahlen Äste in die Gegend reckten,
und kleine Tiere sich im Unterholz versteckten.
Die Laternen spendeten nur ein diffuses Licht,
denn einige, wie immer, brannten nicht.
Der Wind in Böen blies mitunter ziemlich kräftig,
Wer nicht warm angezogen war, der fror jetzt heftig.

Es war auch spät, die Kneipen waren schon geschlossen.
Wer unterwegs noch war, der fror und war verdrossen
und hoffte sehr, daß noch ein Bus in Richtung Heimat fuhr
denn bis nach Hause war es eine ziemlich lange Tour.
Wahrscheinlich kam sogar ein Bus für diese Fälle,
nur, wo ist denn bloß die verdammte Haltestelle?
Die Gegend fremd, dazu die Kälte und die Dunkelheit
und bis nach Hause ist der Weg auch noch so weit.

Der Weg im Dunkeln führt noch über eine Brücke,
die Wasser in der Tiefe entziehen sich dem Blicke,
doch die Geräusche klingen noch herauf an unser Ohr
und alles dies kommt einem so unheimlich vor.
Und da, nicht weit voraus, leuchtet matt ein gelber Schein!
Ist’s möglich – könnte es denn eine Haltestelle sein?
Die Hoffnung schwindet, als man sie erreicht. Der Schreck!
Der letzte Bus ist schon seit einer halben Stunde weg.

Im Wartehäuschen steht zum Glück auch eine Bank,
man kann sich eine Weile setzen, Gott sei Dank..
Man sucht und findet leider auch nicht eine Zigarette
die man jetzt so liebend gern genossen hätte.,
Aus den Gebüschen ringsherum vernimmt man unbekannte Laute,
kein Auto kam bisher vorbei, als ob sich keiner hier her traute.
Die kahlen Äste, die der Wind bewegt, man hört sein Brausen,
wie Schemen tanzen sie herum, und man bekommt das Grausen.

Die Straße liegt so dunkel da, der Wind weht Fetzen von Papier
wie wildgeworden vor sich her. Inzwischen ist es bald halb Vier.
Der Hunger hat sich jetzt auch noch gemeldet und der Durst,
ein heißer Kaffee wäre gut und auch ein Brot mit Wurst.
Nur keine Gedanken an solche Dinge jetzt verschwenden,
sonst könnte diese Nacht womöglich tragisch enden,
„Fast erfroren und verhungert – hilfloser Mensch gefunden
in stillgelegter Haltestelle, schon seit ein paar Stunden“

Das stünde dann am nächsten Morgen wohl in der Be- Zett,
als Anreißer womöglich auf dem Titelblatt, ganz fett.
So hat das Abenteuer aber noch ein gutes Ende nehmen können,
man mußte nicht, beinah’ erfror’n, im Wartehäuschen pennen
Die Zeitung ist ja immer gierig auf sensationelle Themen,
doch muß sie dazu ja nicht unbedingt diese Geschichte nehmen,
wo einer, nicht mit Absicht, sondern mehr wohl aus Versehen
noch in Gedanken tief versunken wollt zu Fuß nachhause gehen.
.
Unnötig auch die Sorgen, die man sich zwangsläufig machte,
ob man im Testament die richt’gen Leute auch bedachte,
ob man zuhause alles aufgeräumt hat oder ob der Müll entsorgt,
ob noch unbezahlte Schulden, hatte man wo was geborgt?
War im Streit man mit den Freunden oder auch mit den Verwandten
oder sonstigen Personen, Nachbarn oder auch Bekannten?
Mußte man schon plötzlich diese schöne Welt verlassen,
sollten andere uns auch lieben, aber doch nicht wirklich hassen.

Alles konnt’ man sich ersparen. Es wär’ unnötig gewesen,
hätte man mit Sorgfalt nur das heut’ge Horoskop gelesen.
Denn da stand ganz unzweideutig:“ Geh’n Sie heute nicht hinaus,
es ist draußen ziemlich finster und Sie finden nicht nach Haus“
Nun. der Mensch setzt sich ja häufig über Warnungen hinweg
und dann kommt er in Bredouille, oftmals ist’s ja nur ein Schreck.
In diesem Falle wie beschrieben, kam die Rettung noch zur Stunde,
denn ein früher Taxifahrer drehte zeitig seine Runde.

Manchmal denkt man sich noch beklommen:
das hätt’ vielleicht ein schlechtes End’ genommen.
.

Im

Über hildegardlewi

... ist 1934 in Berlin geboren und sozusagen „Geprüfte Berlinerin“. Vorkriegsjahre, Kriegsjahre, Blockade, Nachkriegsjahre, die Zeit der Mauer und die Zeit nach ihrem Fall. Lange Berufsjahre, drei Kinder, drei Enkelkinder, die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen und schließlich die Wiedervereinigung, das sind viele ernste – und weniger ernste Geschichten. Manche Leute führen ein Tagebuch. Ihr Tagebuch sind Gedichte. Die ihr spontan aus dem Kopf über die Lippen purzeln und die sie dann schnell einfängt und aufschreibt. Nachdenkliche, sicher, die meisten aber sind zum Lachen. Wie sonst könnte man dies schrecklich schöne Leben aushalten? Viel Vergnügen ;D sagt ihr Sohn
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s